Bitte verzeih’ mir!

Ein wunderbarer Vormittag. Sehr entspannt, nachdem ich wirklich sehr konsequent meine to do-Liste Anfang der Woche auf ein Minimum zusammengestrichen habe. Ich plaudere mit einer Mutter, habe alle Zeit der Welt und freue mich über meinen Tag. Mein Kopf ist leer. Wunderbar.
Bis ich nach Hause komme und nebenbei mal einen Blick auf mein Handy werfe.
Eine Nachricht vom Anne.
Ich ahne: da war doch was.
Ich spüre, denke und rufe laut: “Oh nein!”
Ich habe meine Freundin vergessen. Samt Baby. Eigentlich waren wir auf ein kurzes, nettes Mittagsessen in einem kleinen, feinen Restaurant verabredet gewesen. Vor fast einer Stunde.
Das ist: unverzeihlich.
Ich muss mich bei ihr melden. Sofort. Oh Schande!
Aber, WAS?!? soll ich sagen…
– Auto kaputt
– Handy vergessen
– Kaninchen gestorben
– Schlüssel vergessen
– plötzliche Virusgrippe
– ….

Nein. Ich muss und will ehrlich sein. Um unserer Freundschaft willen. Um ihretwillen. Auch: um meinetwillen. Und das bedeutet: shame on me. Ganz einfach. Ganz schwierig. Ein-und dazu zustehen.
Ich habe unseren Termin vergessen. Ich habe dich vergessen.
Ich rufe sie an. Zwei Minuten später bin ich bei ihr zu Hause. “Es tut mir leid…”
Wir trinken Tee und teilen eine Brezel. Und das Leben. Sie verzeiht mir. Ich war ehrlich. Alles andere wäre vermeintlich leichter gewesen. Ich hätte in einem besseren Licht dagestanden.
So muss ich mich verletzlich machen. Das ist gar nicht einfach. Aber immer mutig. Das ist definitiv nicht das, was man unter Komfortzone versteht.
Dennoch bin ich erleichtert. Ich bin mir treu geblieben. Und unserer Freundschaft auch. Danke, Anne ?
Sei dir gut

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