Die Entscheidung liegt bei dir

Einmal im Leben muss man eine Grundentscheidung treffen und ein „Ja“ oder „Nein“ zum Leben finden. Das ist unsere große Freiheit. Wir können „Nein“ sagen zum Leben und zur Hoffnung.

Ich habe „Ja“ gesagt. Unbewusst und sehr früh. Während der Schwangerschaft meiner Mutter war von meiner Existenz nichts bekannt. Es war meine Zwillingsschwester, die das Bild im Ultraschall bestimmte. Auch wurden keine zweiten Herztöne medizinisch verzeichnet. So wurde ich als zweites Kind meiner Eltern völlig überraschend fünfzehn Minuten nach meiner Schwester geboren. Bei der ersten Untersuchung sagte der Arzt über mich „Die ist stark. Sie wird von alleine groß“. Wie die dreizehnte Fee einen Schwur über das kleine Dornröschen legt, legte der Arzt eine Prophezeiung über mich.

Schon früh spürte ich in mir eine wahnsinnige Energie, wenn es um Ungerechtigkeiten ging. Die mich, aber insbesondere andere betrafen. Energie wie ein Vulkan, bestehend aus großer Lebenskraft und Freude gemischt mit Wut und Aggression. Eine explosive Mischung mit der ich lange nicht richtig umzugehen wusste.

Den richtigen Umgang habe ich lange nicht gelernt und nicht gekonnt. Es war ein mühsamer und steiniger Weg, der mich lehrte und mir zeigte, dass das Leben kein permanenter Kampfplatz sein muss. Er hat mir gezeigt, dass ich vor allem die ganzen Jahre gegen mich selbst gekämpft habe.

Ich musste erst verlieren und ganz am Boden liegen, bis ich bereit war, mich kraftlos zu ergeben. Loszulassen. Die eigene Geschichte und den damit verbundenen Schmerz zu zulassen. Und diesen Zustand nicht als Niederlage, sondern als echte und einzige Chance zu verstehen und zu nutzen.

Das bedeutet, sich völlig unbeholfen auf den Weg zu machen. Rück- und Tiefschläge zu erleiden und zu ertragen. Wenn man sich von alten Verhaltensweisen und Denkmustern befreien will, wenn man sich entschließt anders weiter leben zu wollen, dann kostet das Kraft, Zeit, Anstrengung und Geld.

Es gibt keine Abkürzung. Es gibt keinen 10-Punkte Plan oder 30- Tage – Challenge. Transformation hat ihren Preis. Sie kostet einen alles. Alte Gewohnheiten, Ansichten und Blickwinkel. Nicht selten werden uns Überlebensstrategien aus der Kindheit später zur Falle.  Diese Strategien sind Fluch und Segen zugleich: sie haben uns geholfen zu dem zu werden, wer wir sind und haben gleichzeitig dazu beigetragen, dass wir uns verleugnen, verstellen und anpassen um einzig und alleine eines zu bekommen: Liebe.

Die Sehnsucht nach Liebe und Annahme ist so groß. Es hungert uns danach. Wir spüren eine existentielle Bedrohung, wenn unser Bedürfnis nach Liebe und Gesehen werden nicht gestillt wird.

Im Großen und Ganzen war das mein größter Kampf. Die größte Bedrohung und die größte Herausforderung. Der Wunsch nach Anerkennung. Der Wunsch geliebt zu werden. Gesehen zu werden mit all meinem Potential und mit allem, was mich ausmacht und gleichzeitig herausgefordert zu werden, mich weiterzuentwickeln. Nicht, um noch besser zu werden. Sondern um mehr ich selbst zu werden.

Und dieser Weg führte unweigerlich zu mir. Weg von den anderen hin zur Selbstannahme und Liebe. Weg von der Kraft zur Verletzlichkeit. Weg von der Lebenslüge und hin zur Wahrhaftigkeit.

Ich habe erfahren, dass Selbstliebe und Annahme der Schlüssel zur Veränderung sind. Dass alles, wonach wir uns sehnen und was wir im Außen suchen längst da ist: in uns.

Die Reise zu uns selbst ist spannend und fordernd, heilend und lebensverändernd. Sie hat einen Preis. Jede Sehnsucht, jede Vision hat ihren Preis. Wir sind frei zu entscheiden, ob wir diesen Preis zahlen wollen. Wir sind frei zu entscheiden „Ja“ oder „Nein“ zusagen. Aber der erste Schritt der Reise ist eine bewusste Entscheidung. Die staunende Erkenntnis: das Leben meint mich. Und wenn das Leben mich meint, dann hat dies enorme Auswirkungen auf mein Leben: auf meine Partnerschaft, auf meine Familie. Wie ich denke und bin. Auf Freundschaften und auf Kindererziehung. Auf den Umgang mit meiner Herkunftsfamilie. Auf meine Arbeit. Auf meinen Umgang mit meinen Mitmenschen. Und immer, wenn ich mich für mein Leben und gegen eine allgemeine Norm oder scheinbare Wahrheit entscheide, bedeutet das meistens Gegenwind. Von allen Seiten. Auf allen Ebenen. Und gerade deshalb ist es so wichtig bei mir zu sein und zu bleiben. Und sich zu drehen und den Gegenwind zum Rückenwind werden lassen.

Sei dir gut ❤️

2 Kommentare

  1. Dieverlorenenschuhe

    8. Januar 2017 at 21:44

    Wow. Du schreibst so toll, so klar fasst du in Worte, was ich selber aus meinem Innersten kenne – aber nie so benennen könnte. Dies ist mein bisheriger Lieblingstext von dir. Herzlichen Dank!

    1. Natalia

      9. Januar 2017 at 11:48

      Danke für deine lieben und ermutigenden Worte! Darüber freue ich mich sehr!

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