Halftime. Um die 40.

Ich werde 40.

Endlich werde ich 40. Ehrlich gesagt: ich kann es kaum erwarten und muss mich doch noch ein paar Tage gedulden. Warum ich mich so freue? Weil etwas Neues beginnt. Ich ahne es schon länger, aber nun kann ich es auch sehen. Ich wollte unbedingt eine berufliche Veränderung anstreben, BEVOR ich 40 werde. Und das habe ich geschafft. Aber so was von. Vieles ist noch in den Kinderschuhen, z.B. der Blog, und einiges ist auch ganz anders gekommen als erwartet und gedacht. Aber ich habe mich auf meinen Weg gemacht.

Auf dem Bild ganz unten links, seht ihr mich mit meiner Zwillingsschwester. Wir sind uns so nah im Herzen, aber leider räumlich weit getrennt. Ein großer Schmerz, dass ich nicht mit ihr zusammen feiern kann. Schon seit vielen Jahren nicht. Wir beide leben ein getrenntes Leben und doch ein gemeinsames. Das Zwillingsein ist und bleibt ein großer Schatz in meinem Leben.

Ganz oben ist mein Bruder mit mir. Ungefähr drei Wochen nach dieser Aufnahme starb er eine Woche vor seinem dritten Geburtstag. Plötzlich erkrankte er schwer während unseres Zelturlaubs in Frankreich. Innerhalb einer Woche starb er. Und wir sind mit einem leeren Kindersitz nach Hause gefahren. Der Tod eines Kindes in der Familie bedeutet auch den Zerbruch dessen, was Familie einmal war. Denn es ist nichts mehr so, wie es gestern noch war. Da muss jeder schauen, wie er sich ins Leben zurückkämpft. Und ich bewundere meine Eltern, die sich für das Leben entschieden haben. Die diesen Schmerz angenommen haben und daran gewachsen, aber nicht zerbrochen sind. Und so hatten wir Schwerstern die Chance auch gut weiterzuleben. Glücklich und geliebt groß zu werden. Und dennoch waren die Umstände und meine eigene Situation und Umgang damit ein Teil meiner schweren Reise mit mir. Die Aufarbeitung des Ganzen waren die dunkelsten und tiefsten Täler durch die ich gehen musste. Und zwar allein. Zwar mit professioneller Begleitung, aber allein. Denn nur ich konnte und musste dort hingehen. Es war mein Prozesse. Ich bin daran gewachsen, stark, aber nicht hart geworden und habe lange gebraucht, bis die Wunden der kleinen Natalia verheilt waren, damit sich die Große auf ihre Reise machen konnte.

Darunter ist das Bild mit meiner kleinen Schwester. Sie wurde zwei Jahr nach dem Tod meines Bruders geboren. Ein Neuanfang. Ein Lichtblick. Ein Geschenk. Und dennoch war es mir so schwer mit ihr. Ich wollte nicht, dass der Bruder vergessen wird. Lange habe ich die Liebe zu ihr verdrängt. Lange hat sich der Schmerz besser angefühlt. Im Rückblick staune ich darüber, aber es war so. Heute verbindet uns eine tiefe Liebe. Und sie ist nicht die Kleine. Sie ist eine wunderhübsche, schlaue und wunderbare Frau. Und wir staunen beide, wie ähnlich wir uns in vielem sind. Und wie nah. Trotz des Altersunterschiedes. Vielleicht auch gerade deswegen. Denn das bedeutet Anstrengungen und Bemühen von beiden Seiten.

Und die anderen Bilder zeigen mich so, wie ich bin und sein will. Ich liebe das Leben. Ich empfinde es als wirkliches Geschenk. Ich kann mich abrollen vor Lachen und mache jeden Quatsch mit. Wenn ich mich sicher fühle, bin ich ganz da. Ich bin dankbar, dass ich so bin. Ich bin dankbar über jede Strecke und Herausforderung die noch kommt. Ich bin dankbar, dass mir in den letzten 10 Jahren drei Kinder geschenkt wurden. Ich bin dankbar, dass mein Mann und ich uns noch immer lieben. Wir streiten und vertragen und lachen und weinen. Er ist an meiner Seite. Seid 18 Jahren. Ganz verlässlich und das ist ein großes Glück.

Ich will das letzte Jahrzehnt gut beenden. Ich habe früh gelernt, dass es immer hilfreich und heilsam ist, etwas gut zu beenden, damit etwas Neues entstehen kann. Daher:

40 Gründe der Dankbarkeit: 

  1. für meine Eltern.
  2. für eine glückliche Kindheit.
  3. für die Erfahrung, dass aus Schmerz etwas Neues, Wunderbares entstehen kann.
  4. für die Geburt meiner Tochter Johanna, von der ich lernen darf, was es bedeutet „bei sich zu sein“.
  5. für meinen Mann. Danke, dass du so geduldig mit mir bist. Noch immer an meiner Seite bist.
  6. für meine Zwillingsschwester, mit der ich auf ewig verbunden bin.
  7. für meinen Bruder, der das Leben liebte und schon so weise und mutig war.
  8. für meine Schwester, die mir ein wirkliches Schwesterherz ist.
  9. für meinen Sohn Jakob, von dem ich so viel über Stärke und Weichheit lernen darf.
  10. für meine Tochter Theresa, die mir so unglaublich ähnlich und dadurch eine besondere Herausforderung ist.
  11. für unser Zuhause. Jeden Tag bin ich dafür dankbar, dass ich so leben darf.
  12. Für unseren Garten, der mich lehrt, dass das Leben aus Zeiten der Blüte und Frucht, aber auch aus der Kargheit und des Loslassens besteht.
  13. dass ich jeden Freitagvormittag mit zwei Frauen das Leben teilen darf. Ohne euch wäre ich heute nicht hier. Every Brownie needs a Blondie.
  14. für meine beiden Freundinnen Mi und Anna von weit her.
  15. für Gesundheit.
  16. für meinen Glauben, der mich trägt.
  17. für meine Lebensfreude.
  18. für meine Schwiegereltern, die wirklich so viel mehr als das für mich sind.
  19. für unseren Kamin, vor dem wir schon so viele Stunden das Leben geteilt haben.
  20. für alle Menschen, die mich inspiriert haben.
  21. für alle die Menschen, die mich ermutigt haben.
  22. für alle die Menschen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben.
  23. für die Wellen des Atlantiks, in denen ich mich zu Hause fühle.
  24. für Sonne im Herzen und im Gesicht.
  25. für meinen stets gefüllten Kühlschrank. Auch wenn nicht immer das darin ist, was gerade gebraucht wird. Aber Milchschnitte immer.
  26. für meine ehemaligen Schüler. Dass ich sie begleiten durfte war mir mehr als eine Freude. Ich glaube, ich habe mehr von ihnen gelernt, als sie von mir.
  27. für meine Beraterausbildung. Diese drei Jahre waren ein stetiges Schleifen und Wachsen. Forever grateful.
  28. für meine kuscheligen Winterschuhe, die nur ich im Haus tragen darf.
  29. für so viele wunderbare Bücher, die mehr waren als nur Unterhaltung.
  30. für meine tägliche StilleZeit, mit der ich meinen Tag beginne.
  31. für das Laufen, das ich für mich entdeckt habe.
  32. dafür, dass ich den Wald hinterm Haus habe.
  33. für meine wunderbare Haushaltshilfe, die mir und uns einmal die Woche das Leben rettet.
  34. für meine Freundinnen vor Ort. Danke für eure Hilfe und Unterstützung. Danke für unseren Alltag.
  35. für meine Freunde. Also meine Männerfreunde.
  36. für meine beiden Patenkinder. Dass ich Teil eures Lebens sein darf ist kostbar.
  37. dafür, dass ich nicht mehr stark sein muss.
  38. für euch alle, die ihr diese Zeilen lest.
  39. für alles Wachsen, alles Loslassen, alle Veränderung, die ich machen durfte.
  40. für alles das was ist. Auch und besonders: für mich selbst.

Und ich fühle mich endlich erwachsen. Die Kinder sind schon älter geworden. Und ich kann wieder mehr ich sein. Ich bin dankbar, dass ich älter, reifer und vielleicht auch weiser geworden bin.

Willkommen 40! Ich kann es kaum erwarten, was das alles noch kommen mag! Happy ich.

Sei dir gut ❤️

 

8 Kommentare

  1. KATERINA FISTERA

    25. Januar 2017 at 16:57

    Meine liebe Natalia!
    Was für ein Text! Was für wunderbare Gedanken! Mein großes Mädchen! Ja , das darf ich so schreiben, das darf ich so denken!, denn für die Mutter bleibst Du ihr kleines und großes Mädchen. In so Vielem kann ich Deine Worte nachfühlen, Deine Erinnerungen sind auch in mir so lebendig, sind so präsent. Ich bin sehr stolz auf Dich, auf alles, was alles was ist, ich freue mich , Dich so erwachsen zu sein wahrzunehmen, nicht erst seit heute. Auch ich habe Dir und Deiner Zwillingsschwester geschrieben zu Eurem Ehrentag, zu Eurem 40. Bald wirst Du meine Worte in den Händen halten, sie lesen können, zusammen mit Bildern, die mir und Deinem Vater so nahe sind, als ob gerade erlebt. Wie schön, dass Du lernst gut zu Dir zu sein. Das wird ein gutes Schuhwerk für den weiteren Weg sein, ganz gewiss! Ich und Papa durften Dich ein Stück des Weges begleiten. In unseren herzen begleiten wir Dich immer. Fühle Dich umarmt. Mama

    1. Natalia

      25. Januar 2017 at 18:26

      Danke Mama. Das bedeutet mir viel. Sogar mehr, als du vielleicht denkst ❤️

  2. Heidi Irle

    25. Januar 2017 at 22:49

    Liebe Schwiegertochter,mit dir erlebe ich,wie wohltuend eine solche Beziehung sein kann!Im praktischen Teil habe ich Dir vielleicht etwas voraus,aber im Umgang miteinander und mit mir llerne ich von Dir.Ich wünsche uns,dass wir diese gute Beziehung weiter mit der nötigen Offenheit leben werden!Gott sei mit Dir und der tollen Familie.Bis Samstag,sei fest umarmt Heidi

    1. Natalia

      25. Januar 2017 at 22:52

      Meine liebe Heidi. Danke für deine Worte. Und ganz sicher: im praktischen bist du mir so was von voraus. Auf alle Fälle, was die Küche angeht ?

  3. Katrin

    26. Januar 2017 at 21:44

    Danke Dir für’s Teilen dieser sehr persönlichen Worte.

    1. Natalia

      7. Februar 2017 at 10:39

      So gerne ❤️

  4. Kristin

    15. Februar 2017 at 15:12

    Liebe Natalia,
    durch Svenja bin ich heute auf Deinen Blog gestossen und habe eine kleine Pause genutzt ein wenig bei Dir zu lesen und ich wollte Dir danken. Deine Worte haben mich sehr berührt und ich freue mich unglaublich hier jetzt noch mehr lesen zu können.
    Nachträglich – unbekannterweise aber von Herzen – alles Liebe und Gute zu Deinem Geburtstag!
    Kristin

    1. Natalia

      15. Februar 2017 at 15:19

      Liebe Kirstin, vielen Dank für die Glückwünsche und deine lieben Worte. Ich freu mich, dass du mitliest❤

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