Happy Birthday, baby-girl!

 

„Ja, rede‘ du nur“, habe ich mir damals immer wieder gedacht, wenn meine Mutter jährlich erzählte, wie der Tag der Geburt von uns Kindern war. Kam mir immer etwas romantisch verklärt vor. Schließlich musste sie ja auch bei jeder kitschigen Mutter-Kind-Waschmittelwerbung weinen. Aber: ich muss Abbitte tun. Ich weine schon bei Liedern im Radio, von Werbung ganz zu schweigen und heute Abend, am Abend VOR dem Geburtstag meiner jüngsten Tochter bin ich wieder ganz da. Ganz drin. Am Vorabend des 03.02.2013.

Im Winter 2013 bin ich, hochschwanger, so unglaublich viel Schlitten gefahren, aber dieses Kind wollte nicht zur Welt kommen. Sie wollte dann kommen, wenn sie es wollte. War ja klar. Im Rückblick so wie so. Und ich war, trotz zwei Geburten, so unsicher. Hatte meine Schwester schon Tage vorher nachts aus Bonn kommen lassen und auch meine Hebamme. Aber immer nix. Und so war es irgendwie klar, dass mein Mann an diesem Samstagabend in die Sauna ging und ich mit meiner Schwester vor die Glotze. Keine Wehen. Null. Bis Mitternacht. Mein Mann kam gerade rein und griff sofort zum Hörer. Er dachte, das Kind kommt jetzt. „Blödsinn“, sagte ich. Hat gerade erst so richtig angefangen. Da saßen wir schon im Auto.

Mein Mädchen war eine kleine Sternguckerin. Und das passt. Sie läuft mit offenem, gehobenen Blick durch die Welt. Sie ist wunderschön, super witzig und hat einen eignen Willen, der einen staunen lässt. Wir wussten, dass der Stuhl des ruhigen Kindes in unsrer Familie noch frei war. Dass man an Lebensfreude, Laut- und Willensstärke nochmal einen drauf setzten kann, aber so richtig, ahnten wir nicht. „Theresorist“ nennt ein guter Freund der Familie unsere Theresa. Und das meint er nur mit einem kleinen Augenzwinkern.

Ich habe meine besondere Schwangerschaft mit diesem wunderbaren Mädchen in einem Gastbeitrag bevor kurzem schildern dürfen.

Und heute Abend, als sie ihre kleinen Arme um meinen Hals schlang, wie jeden Abend, und ich ihr, wie auch den anderen Beiden die Frage stelle: „Wenn alle kleinen Mädchen dieser Welt in einer langen Schlange stehen würde, welches würde ich mir aussuchen?“ Und sie mir immer strahlend antwortet „MICH!“, dann rührt mich das – ungelogen – jeden Abend aufs Neue. Morgen wird sie vier Jahre alt. Vier Jahre, der absoluten Herausforderung. Vier Jahre des absoluten Glückes.

Kein Kind hat mich so gefordert. Kein Kind hat mich so sehr gebraucht. Kein Kind, hat mich so viel gelehrt. Vor allem: über mich selbst. Mit keinem Kind habe ich schlechter geschlafen. Mit keinem Kind war meine Erschöpfung und Verzweiflung größter. Mit keinem Kind lagen Liebe und Hass so dicht beieinander. Bei keinem Kind hatte ich so große Angst. Bei keinem Kind, habe ich so viel gestaunt. Bei keinem Kind habe ich mehr gelitten, am meisten an mir selbst. Bei keinem Kind habe ich mir so viel Vorwürfe gemacht. Kein Kind kann mich mehr überraschen, wie sie.  Kein Kind. Nur du. Nur du, mein über alles geliebte Theresa. Und ich bin dankbar für jede Sekunde. Unser Weg war ein besonderer. Du wolltest leben. Und dafür danke ich dir. Du bist geblieben. Das werde ich dir niemals vergessen.

Wir beide sind uns sehr ähnlich. Und bei Löwenmutter und Löwenkind fliegen die Fetzen manchmal leichter. Du spiegelst mich so sehr, dass ich manchmal achtgeben muss, dass ich uns beide nicht verwechsele. Ich schaue dich an, deine großen Augen und frage mich, ob ich auch so war als kleines Mädchen.

Und ich bewundere deine Stärke und dein großes Herz. Mit zwei älteren Geschwistern. So nah dran und doch unerreichbar fern. Und du bist immer mit dabei. Immer mittendrin. Du willst schon so viel mehr und musst dich doch gedulden. Nicht, weil du kleiner, sondern weil du jünger bist. Punkt. Das ist so. Und doch kannst du schon so viel mehr. Traut man dir schon so viel mehr zu. Überfordert man dich auch. Ab und zu. Immer wieder.

Du bist mein letztes Kind. Und ich sehne mich manchmal nach den Tritten im Bauch. Die Erinnerung daran verblasst schon. Das ist die wirklich stärkste Erfahrung meines Lebens: das Leben in sich spüren. Leben schenken dürfen. Und mit dir, war das eine sehr besondere Erfahrung. Du hast mich und so viele gelehrt, was es bedeutet „guter Hoffnung“ zu sein.

Ich sehe dich an. Deine wilden Locken. Dein großes Herz. Dein breites Lachen. Dein lautes Singen. Deine strahlenden Augen. Deine Beine, meistens in zu großen Jogginghosen deines Bruders. Manchmal darüber ein Tutu deiner Schwester. Vielleicht noch eine Trillerpfeife oder Polizeipistole in der Hand. Man kann nie wissen. Jeder Tag anders. Neu. Aufregend. Unvorhersehbar.

Man muss sich auf dich einlassen. Dich SEINlassen. Und du beschenkst uns jeden Tag aufs Neue. Uns alle. Von deinem ersten Atemzug an konnten wir uns ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen. Sofort warst du dabei. Gefühlt wie „schon immer“, dabei doch ganz neu. Ich werde niemals vergessen, wie deine Geschwister dich begrüßt haben. Nur vier Stunden nach deiner Geburt. Bei uns zu Hause, nach unserer Rückkehr. „Wer ist das“, wollte dein Bruder wissen. Und deine Schwester erzählte mir heute noch davon, wie aufgeregt sie war. Und wie staunend sie dich immer wieder ansehen musste.

Wenn ich heute an dich denke und weiß, dass du oben schläfst. Endlich, weil du doch so aufgeregt warst, fallen mir ein paar Zeilen von Julia Engelmann ein, die sie für ihre Eltern schrieb. Aber als deine Mutter wage ich sie dir zu schenken: „du bist mein Ursprung, meine Insel, mein Vertrauen und mein Schatz. Mein Mund formt dein Lachen, mein Herz schlägt deinen Takt.“

Geliebtes Thereschen. Du bist klug. Du bist schön. Du bist wichtig und ich liebe dich sehr.

Happy birthday, baby girl ❤️

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