I carry your heart in me (I carry it in my heart)

Was tut man, wenn man Hoffnung, aber das Vertrauen verloren hat? Das Vertrauen in die Medizin. Das Vertrauen, dass ein Wunder geschiet? Das Vertrauen, dass die Nacht den (Alb-) Traum vertreibt? Das Vertrauen in einen selbst? In den eigenen Körper?
Ich war am 18. Juni 2012 schwanger. 12 Woche. Voller Vorfreude. Voller Pläne. Aber auch: besorgt: schaffe ich und wir das mit einem weiteren, einem dritten Kind? Wird es gesund sein? Ist genug Liebe für alle da?
Und dann: das Herz schlägt nicht mehr. Einfach so. Ein mitleidiger Blick des Arztes. “Wollen Sie sofort zur Ausschabung?” In meinem Kopf kein klarer Gedanke. Nur: “Ich will nach Hause.”
Meinen Mann informiert. Die Kinder organisiert. Nach Hause gegangen. Ins Bett. Decke über den Kopf und leergeweint.
Mein Herz sagt: “Nimm Abschied. Lass’ die Seele hinterherreisen.”
Ich telefoniere und informiere: ich muss nicht unbedingt zur Ausschabung. Ich kann warten, solange es keine medizinische Notwendigkeit gibt. Es kann -möglicherweise – Wochen dauern, bis es geht. Bis ich es gehen lassen werden kann.
Kann und will und werde ich das ertragen? Das tote Kind. In mir.
Aber ist es nicht so oder so in mir. Teil von mir? Meinem Herzen? Schon jetzt und für immer?
Ich spüre diese Wahrheit. Ich spüre diese hoffnungslose Hoffnung: es kann nicht sein.
Fast eine Woche lang bin ich unter meiner Decke verschwunden. Und nehme Abschied. Von meinem Kind. Von meinen Plänen. Im Rückblick alles verschwommen. Gab es einen Alltag um mich herum? Gelöscht.
Nach vier Wochen will ich nicht mehr. Ich habe Abschied genommen. Mir geht es deutlich besser. Ich mache wieder Sport. Wir wollen in den Urlaub. Ich muss eh wieder zum Arzt. Will um die Überweisung bitten. Mein Kopf sagt: “Jetzt isses mal gut!” Mein Herz ist – noch immer und immer wieder mal – schwer. Ich hätte nicht gedacht, geahnt und erahnt, was das bedeutet.
Mein Arzt ist höflich. Ich bin fast gleichgültig. Muss ich ja gefühlt irgendwie. Ist ne normale Diagnose. Ich eine von und mit vielen. Ganz am Anfang. Damit darf man rechnen. “Irgendwie fühle ich mich halt schwanger”, sage ich. “Jaja, die Hormone”, ist die Antwort.
Ein Abschlussultraschall. Ich schau hin. Schnee. Schwarzweiß.
Da bewegt sich ein Kind.
Sein Herz schlägt.
Mein Herz rast.
Ich fühle: nichts.
“Verschallt. Tut mir leid”, sagt mein unbeholfener Arzt, den ich nie wieder aufsuche.
Und ich? Wieder nach Hause. Decke über den Kopf. Leerweinen. Wegweinen. Achterbahnfahrt. Und wieder: Annehmen. Loslassen. Vertrauen wagen und finden. Besonders in mich. In meinen Körper, auf den ich nicht gehört und gefühlt habe.
Es dauert noch Monate bis die Angst weicht. Die wirkliche Freude zurückkommt. Bis zur Geburt. Bis ich unser zauberhaftes Mädchen gesund und staunend in den Armen halte.
Es hat noch länger gedauert, bis die Schuldgefühle weichen, dass das Kind gemerkt haben könnte, dass ich mich nicht mehr so freuen kann. Nicht, weil ich es nicht mehr wollte, sondern weil ich gefühlt gar nichts mehr gefühlt habe. Zu groß die Angst und Unsicherheit
“Hör auf die Stimme, hör was sie sagt (…)” heißt das Lieblingslied meines Sohnes. Das habe ich gelernt: mehr auf meine innere Stimme zu hören. Meiner Intuition zu vertrauen. Mir zu vertrauen.
Egal, in welcher Un-Tiefe du gerade bist: ich wünsche dir, dass du nicht das Vertrauen verlierst an und in dich. An das Leben. In dein Herz.
Sei dir gut ❤️

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