Interview

Als ich Susanne das erste Mal treffe, bin ich sofort völlig begeistert: so eine wahnsinnig tolle Ausstrahlung. So viel Ruhe und Präsenz. Das, was sie mir über sich und ihre Arbeit erzählt finde ich so spannend und großartig, dass ich sie spontan frage, ob sie nicht Lust auf ein Interview hätte, in dem sie von ihrer Arbeit erzählt. Hat sie zum Glück! Ich bin mir sicher, dass Kinder und Jugendliche, ihre Eltern, Lehrer und auch Kinderärzte bei Susanne sehr viel Hilfe und Unterstützung bekommen können. Denn neben ihrer fachlichen Kompetenz merkt man Susanne ihre Liebe zu den ihr anvertrauten Menschen an. Susanne bedient zwei spannende Felder: zum einen das Coaching. Zum anderen die Reflex – Intergration. Und während sie mir davon erzählt, hätte ich mir gewünscht, ich hätte diese bei meinen Kindern schon längst mal ausprobiert.

 

 

Ich liebe die Arbeit mit Menschen. Besondere Glücksmomente liegen für mich darin, wenn die mir Anvertrauten über sich hinauswachsen und ganz eigene Erkenntnisse und/oder Erfolge feiern.“

 

 

 

Ich kenne Erziehungsberatungsstellen und Kinderpsychologen. Du bist Kinder- und Jugendcoach. Was macht den Unterschied aus?

„Auch, wenn sich bei mir die Eltern melden, so ist und bleibt die Hauptperson während des Prozesses das Kind oder der Jugendliche. Ich erarbeite mit den Klienten das Problem, denn häufig können die Kinder es gar nicht benennen. Achtsam führe ich das Kind an seine Gefühle heran, zum Beispiel durch Fragen: „Wo fühlst du das?“ oder auch „Wo genau spürst du das im Körper? Hat es eine Farbe?“ Daher beginnt meine Arbeit beim Coaching mit Kindern im Grundschulalter, während

Bei mir gibt es keine fertigen Antworten auf ein Problem, dass sich im Elternhaus oder in der Schule manifestiert. Eltern müssen bereit sein, sich und das Kind auf einen Prozess einzulassen.“

 

Bei welchen Themen kontaktieren dich die Eltern?

 „Sehr häufig bei Schulthemen. Das sind zum Beispiel unterschiedliche Ängste, auch Versagensängste, aber leider auch Mobbing. Es gibt Kinder, die leiden unter einem mangelnden Selbstvertrauen. Gibt es im Bereich Schule ein Problem, ist es natürlich auch immer ein ganzheitliches, den Schule und Zuhause lassen sich einfach nicht trennen. Durch ungünstige Faktoren, wie beispielsweise eine Lehrer-Schüler-Konstellation, wird das Problem dann in der Schule manifestiert. Da kann es nur individuelle Lösungen geben.“

 

Auf welchen zeitlichen Rahmen muss ich mich als Eltern einstellen?

In der Regel dauert ein Prozess mit Kindern zwischen 4- und 6 Sitzungen. Bei älteren Kindern und Erwachsenen können es aber auch schon mal mehr sein. Aber 10 Sitzungen sind an sich das Maximum. Natürlich sind in den Prozess auch die Eltern involviert. So gibt es selbstverständlich ein Eingangs- und Abschlussgespräch. Wenn ich gesonderten Klärungsbedarf mit den Eltern oder Lehrern habe, werden diese Teil des Prozesses.“

 

Mit welchen Methoden arbeitest du zum Beispiel bei Angst?

„Bei Angst geht es darum, den Trigger dafür auszuschalten und Blockaden zu lösen. Wenn du eine Erfahrung gemacht hast, die weit über der eigenen Resilienz-Grenze liegt, dann ist dein Gehirn schlicht nicht in der Lage dies zu verarbeiten. Durch äußere Impulse ist es jedoch möglich, diese negativen Erfahrungen in die Verarbeitung zu bringen. Was dann bleibt ist zwar die Erinnerung, aber sie ist nicht mehr emotional verknüpft. Dies kann man zum Beispiel durch die EMDR oder EFT Methode erreichen. EMDR baut auf bilateraler Hemisphärenstimulation, beim EFT werden Blockaden über das Meridiansystem des Körpers gelöst.“

 

Das kann ich gut erklären: meine älteste Tochter hat, nach dem in unser Haus eingebrochen wurde, große Angst vor Mücken entwickelt. Wahrscheinlich hörte sie zum Zeitpunkt des Einbruchs eine Mücke und das Summen von Mücken triggerte jetzt ihre unverarbeitete Angst währenddessen. Das konnte sie aber gar nicht benennen und wir ihre „Angst aus dem Nichts“ nicht nachvollziehen. Ich bin mir sicher, dass uns Susanne damals gut hätte helfen können, das Problem zu lösen.

 

Wo liegt dein Schwerpunkt bei deiner Arbeit mit älteren Kindern?

„Ähnlich wie bei Kleinkindern, sind Kinder im Alter von 11-13 Jahren sehr emotional bedürftig. Das fällt uns Eltern manchmal schwer zu verstehen, weil sie nach außen cool und selbstständig sein wollen und auch sind. Auf der einen Seite ist die Familie der sichere Hafen, aber zu viel Nähe und das Gefühl von Abhängigkeit geht gar nicht. Das ist ein wirkliches Paradox. Aber wichtig ist für uns als Eltern, gerade in diesem Zeitraum, dem Kind zu vermitteln: ich sehe dich und bin für dich da. Ich nehme dich wahr.  Älteren Kindern und Jugendlichen fällt es häufig deutlich leichter, sich im Außen, also einer fremden Person, zu öffnen. Ich helfe ihnen, in dem ich ihnen beispielsweise ihre Themen spiegel’ und sie unterstütze, Worte für ihre Gefühle zu finden.“

 

Was ist das Ziel des Coachings? 

„Ziel ist, den Menschen wieder in seine Mitte, in sein Gleichgewicht zu bringen. Häufig kann man das Außen nicht ändern. Aber meine innere Mitte, meine Einstellung, die kann ich stärken. Ich kann erleben, dass ich mein Zentrum finden und darin bleiben kann. Ich kann ein Stehaufmännchen sein. Wenn ich kippe, bleibe ich nicht liegen. Meine inneren Werte, meine Mitte, helfen mir, mich wieder aufzurichten“.

 

Mein Sohn läuft auf Zehenspitzen. Das ist seine scheinbar angenehmste Form. Wir müssen ihn immer wieder aufmerksam machen, „richtig“ zu laufen. Auch viele Stunden Krankengymnastik waren bisher leider wenig erfolgreich. Wäre hier eine Reflexintegration möglich?

 Unbedingt. Frühkindliche Reflexe sind ein Bewegungscode, der in den ersten drei Lebensjahren abläuft. Es gibt jedoch äußere Bedingungen, zum Beispiel, wenn eine Mutter während der Schwangerschaft viel liegen musste, oder bei der Geburt oder auch in den Jahren danach, dass die Bewegungsoptionen des Kindes nicht optimal sind, so dass der Code nicht störungsfrei ablaufen konnte.

Wenn dein Sohn beispielsweise häufig diese Ledersöckchen trug, weil du ihm helfen wolltest, dass er nicht wegrutscht, ist es möglich, dass der Fuß nicht lernen konnte, sich gut abzurollen. Stell dir das wie einen Papierstau im Drucker vor: an der Stelle gibt es eine Störung. Das beeinflusst aber automatisch den weiteren, störungsfreien Ablauf. Wenn man allerdings den Stau beseitigt, ist danach alles wieder im Fluss.

 

Interessant. Bei welchen Verhalten könnte ein Stau die mögliche Ursache sein?

 Ich beobachte das bei Schulkindern, die ihre Beine um den Stuhl wickeln, die nur im Stehen arbeiten können, die im Liegen schreiben, oder die langsam arbeiten, weil es ihnen Mühe bereitet von Fernsicht (beim Abschreiben) auf Nahsicht (beim Aufschreiben) umzuschalten. Mit einem gezielten Bewegungstraining, in dem passive und aktive Übungen aufeinander folgen, können sehr gute Erfolge erreicht werden.

Nimm’ zum Beispiel den Moro-Reflex. Den kennen ja alle jungen Eltern, wenn das Kinder im Schreck die Arme nach hinten ausbreitet. Wenn es an dieser Stelle einen Stau im System gibt, dann bleiben diese Kinder innerlich auf der Flucht. Sie sind häufig hypersensibel, licht– und geräuschempfindlich und oftmals auch schreckhaft. Die Ursache hierfür kann in der Störung des Codes liegen.

 

Susanne, dass ist unglaublich spannend. Und für mich auch sehr nachvollziehbar. Hast du zum Schluss noch etwas, dass du uns Eltern mit auf den Weg geben magst?

Nehmt eure Kinder ernst und an. Sie sind keine kleinen Erwachsenen. Versucht gelassen zu bleiben und euch nicht emotional einfangen zu lassen. Elternschaft ist herausfordernd. Aber Kinder sind Kinder. Sie wollen euch mit ihrem Verhalten nicht verärgern. Versucht den Perfektionismus euren Kindern gegenüber abzulegen. Und auch gegenüber euch selbst. Folgt eurem Herzen und eurer Intuition mehr als Ratgebern und den Weisheiten von Anderen.

 

Vielen Dank für das tolle Gespräch, Susanne!

Mehr Infos und Kontaktmöglichkeiten findet ihr auf Susannes Homepage unter http://unvergleichlich.org

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar verfassen