Kinderwünsche

Heute ist Weltkindertag. Und ich habe mir vor ein paar Monaten Gedanken gemacht, WAS ich Kindern wünsche.  Und dabei kann ich nicht trennen, ob ich es nur meinen Kindern wünschen würden. Nein, ich wünsche das allen Kindern.

Was ich dir Wünsche, mein Kind?

Ich wünsche dir, dass du jemanden an deiner Seite hast, von dem du sicher sein kannst, dass er sagen wird: „das ist mein Kind“. Jemand, der dich achtet und wertschätzt. Jemand, der dich sieht und liebt. Das können deinen leiblichen Eltern sein. Aber vielleicht bist du in eine Familie und in Umstände hineingeboren worden wo es ein großes Glück ist, dass jemand anderes seinen Arm um deine Schulter legt und sagt: „das ist mein Kind.“

Ich wünsche dir, dass du auf Erwachsene triffst, dich wie ein Kind behandeln und doch ernst nehmen, wie sich selbst. Die deine Bedürfnisse spüren und sehen. Die sich auf dich einlassen. Auf deine Unsicherheit. Auf dein Lernen. Auf deine Angst vor Dingen, die uns Großen vielleicht albern oder lächerlich vorkommen. Weißt du, wir haben einfach vergessen, wie es war, als wir uns fürchteten alleine in einer Turnhalle zu sein. Wir haben vergessen, welch’ große Sorge wir hatten, nicht abgeholt zu werden.

Ich wünsche dir Menschen, die auf ihre Intuition vertrauen. Die mehr auf ihr Herz hören, statt auf weise Ratschläge. Die dich versorgen und schlafen lassen und trösten und tragen und wiegen, wenn du es brauchst. Und nicht, was jemand sagt wie es ist und sein müsste. Ich wünsche dir einen sicheren Schlafplatz. Einen, in und an dem du dich sicher fühlst. Kuschelig und mit einem Lieblingstierchen, dass dir Trost spendet, wenn du dich einsam fühlst. Und ich wünsche dir Eltern, die dir erlauben immer zu ihnen zu kommen. Immer. Die dir niemals das Gefühl geben: DU störst. Denn DU störst niemals. Das, was uns Erwachsene stört ist das Unterbrochen werden. Aber du darfst uns unterbrechen und uns rausholen aus unseren Gedanken, die häufig so weit entfernt von deiner Welt sind. Hol’ uns raus aus unserer Erwachsenenwelt. Auch nachts. Egal, was ist: ob schlecht geträumt. Oder Angst vor Mücken. Oder einfach mal: nicht einschlafen können. Oder auch: weil du dich einsam fühlst und nach einem vollen Tag Nähe und Geborgenheit suchst. Weißt du, DAS ist unser Job für dich da zu sein. Und ja: es ist total anstrengend, nicht zu schlafen. Aber dafür haben wir uns entschieden, als wir uns für dich entschieden haben.

Ich wünsche dir, dass du immer Zugang zu Nahrung und Wasser hast. Weißt du, ich kann nur erahnen, was deine Eltern für einen Schmerz empfinden, wenn sie deinen Hunger und Durst nicht stillen können. Wie verzweifelt sie der Anblick deiner Tränen und deines Nichtverstehens machen. Und ich bin von Herzen dankbar, dass ich in einem Teil dieser Welt leben darf, in dem ich mir darum keine Sorgen oder Gedanken machen muss. Weil alles im Überfluss da ist. (Darüber muss ich mir Gedanken machen!)

Ich wünsche dir Menschen, die es schaffen dir liebevolle Grenzen aufzuzeigen. Nicht, weil sie dich NICHT lieben, sondern WEIL sie dich lieben. Weil es wichtig ist, dass man lernt zu unterscheiden, was richtig und falsch ist. Was einem gut tut und was nicht. Und manchmal passt das leider nicht zusammen. Denn das, was du meinst, was dir gerade guttun würde und was du gerade möchtest, ist auf Dauer vielleicht nicht gut. Man kann nicht immer alles haben. Man muss lernen geduldig zu sein. Man muss abwarten lernen. Man ist nicht immer wichtig und man ist nicht immer dran. Und das ist gar nicht leicht zu verstehen. Aber ich wünsche dir Eltern, die dich dabei liebevoll unterstützen. Die gut bei sich sind und sich über ihre Werte im Klaren sind. Die wissen, was du lernen sollst und was nicht. Die sich einig darüber sind, was sie dir mitgeben wollen. Und die sich geduldig mit dir auf den Weg begeben, dir das beizubringen. Manchmal mehrfach am Tag. Manchmal immer und immer und immer wieder. Bis du es verstanden hast. Bis du verstanden hast, dass es dir zum Besten dient.

Ich wünsche dir Menschen, die dir beibringen und vorleben, wie man sich verträgt und vergibt. Die sich auch bei dir entschuldigen und um Verzeihung bitten, wenn sie ungerecht, gemein und vielleicht sogar sehr wütend waren. Dir sogar weh getan haben. Aus ihrer Unsicherheit und Erschöpfung und Überforderung heraus. Und ja: vielleicht hast du schon wieder nicht gehört, dein Zimmer nicht aufgeräumt, hast eine blöde Antwort gegeben oder was auch immer. Dann sollst du aber dennoch wissen: du bist ok. Du bist geliebtes Kind, auch wenn sich das gar nicht so anfühlt. Und du dich sogar vielleicht alleine fühlst. Ich wünsche dir so sehr, dass wir Großen dann uns zu dir runterbeugen, dir in die Augen schauen und dir das sagen: „Es tut mir leid, wie ich gerade zu dir war. Ich war müde. Und genervt. Aber ich liebe dich. Du bist ok.“

Ich wünsche dir Eltern, Lehrer und Trainer, die dein Potential sehen. Die über das hinaussehen, was gefordert und erwartet wird. Dass du nicht die Wünsche und Träume deiner Eltern leben musst und sollst, sondern deinen eigenen folgend darfst. Ich wünsche dir, dass deine Stärke, deine Klugheit, dein Herz, deine Talente und Fähigkeiten gesehen und gefördert werden,  auch wenn du nicht den Weg gehst, „den alle gehen“. Ich wünsche dir, dass du Zugang zu Bildung erfährst. Dass dir vorgelesen wird und dass du viel Zeit zum Spielen hast. Alleine und mit anderen Kindern. Ich wünsche dir, dass du dich schmutzig machen darfst. Dass du mit nassen Hosen und Socken heimkommen kannst und dass dann eine warme Dusche auf dich wartet. Und Mitfreude, dass du so eine gute Zeit hattest.

Ich wünsche dir, dass wir Großen es schaffen dir vorzuleben, dass Veränderung immer möglich ist. Dass wir dir vorleben, was es bedeutet verantwortungsvoll mit unserer Erde, Tieren und Mitmenschen umzugehen. Ich wünsche dir, dass wir dir beibringen und vorleben, dass jeder einzigartig und wertvoll ist. Und dass es darum unsere Aufgabe ist, uns nicht zu vergleichen, uns schlecht zu machen, sondern uns zu lieben. Uns anzunehmen. Unsere Stärke und unsere Schwäche.

Ich wünsche dir Eltern, die dich nicht als Sinn ihres Lebens betrachten. Du bist frei. Du gehörst niemandem. Nur dir selbst. Du darfst deinen Weg gehen und ich wünsche dir liebevolle Begleitung und Weggefährten, die dir helfen, zu einem unabhängigen, starken, aufrechten und empathischen Menschen heranzureifen.

Und uns Eltern wünsche ich, dass wir lernen dich loszulassen. Und das ist ganz schön schwer. Weil wir dich so lieben. Weil wir dein Bestes wollen. Weil wir dich schützen wollen. Sei bitte auch geduldig mit uns. Das Loslassen müssen wir lernen. Für dich und für uns selbst.

Ich wünsche dir auf deinem Weg eine Gewissheit im Herzen: „Ich bin ok. Ich bin geliebt.“

Sei dir gut ❤️

5 Kommentare

  1. Britta Ohrendorf

    2. Juni 2017 at 12:57

    Danke!
    Schön!

    1. Natalia

      2. Juni 2017 at 14:37

      Dankeschön!

  2. Katja

    3. Juni 2017 at 10:03

    So schön! So wahr! So viel zum Mitnehmen und Nachdenken!
    Danke!
    Bin ich froh, deinen Blog gefunden zu haben. Ich arbeite zwar noch an dem ”mir gut sein”, aber das wird noch!

    1. Natalia

      6. Juni 2017 at 9:28

      Liebe Katja, vielen Dank für deine lieben Worte! “Sich gut zu sein” ist wirklich ein Prozess. Ein Weg, der nicht gerade, sondern mit Hügeln und Tälern verläuft. Es ist und bleibt eine lebenslange Aufgabe. Aber: geh weiter! Es lohnt sich! Ich geh mit!

  3. Katerina Fistera

    21. September 2017 at 11:49

    Fast wünsche ich mir wieder ein Kind zu sein ,dem so viele liebe Worte und Wünsche gesagt werden .

Kommentar verfassen