Lebensabschnitts-Freundschaft

Heute wage ich es. Freundschaft Teil Zwei. “Lebensabschnitt-Freundschaft. Mir ist etwas flau im Magen. Das Thema macht was mit mir. Vielleicht, weil mir sofort Bilder von Lebensabschnitts-Freundschaften kommen. Und damit Orte. Erinnerungen. Gefühle.
Ich glaube, dass es völlig normal ist, dass Menschen in unterschiedliche Richtungen weitergehen. Man selbst ändert sich. Der Andere auch. Manchmal verändern sich die äußeren Umstände. Kind. Ort. Beruf. Und man ist erstaunt, vielleicht auch erschreckt, wer bleibt. Und wer nicht. Einfach deshalb, weil es plötzlich nicht mehr passt. Vielleicht auch nie passte. Aber es war schön. Man war nicht allein. Für den Moment: gut. Vielleicht auch hilfreich. Zielführend.
Wenn ich an diese vergangen Freundschaften denke, dann fühle ich
DANKBARKEIT bei und für diejenigen, wo es zu einem guten Ende gekommen ist. Weil wir beide an einen Punkt waren, wo beide gemerkt haben: es passt nicht mehr. Ohne Streit. Ohne Bitterkeit. Im besten Fall konnten wir darüber sprechen. Das war im Moment schmerzhaft, in der Folge aber: befreiend. “Finishing well” sozusagen. Dann ist klar: falls und wenn wir uns mal wiedersehen, dann bleibt es an der Oberfläche. Dann wird es nett. Und wenn das Treffen nicht zu Stande kommt, dann bleibt die gute Erinnerung und das Gefühl, dass es damals, an dem Ort, zu der Zeit, die beste Freundschaft war. Sie hatte einen Grund gehabt. Sie hat einen Unterschied gemacht. Damals. Dankbarkeit. Und da mischt sich auch Traurigkeit. Und das nehme ich an. Das ehrt diese Zeiten. Diese Lebensabschnitte. Die zu Ende sind. Unwiederbringlich.
Und dann fühle ich UNSICHERHEIT. Da, wo ich nicht genau weiß: “sind wir noch oder nicht?” Da hat sich was verändert. Wir sehen und sprechen kaum noch. “Habe ich was falsch gemacht? Gesagt? Getan?” Wo ist mein Anteil? Ich mag es gar nicht, wenn es so in der Luft hängt. Und da kenn ich die Seite, die sich wundert und traurig und enttäuscht ist. Und wütend. Weil ich es nicht verstehe. Weil ich den Grund nicht kenne. Weil es mir schwerfällt zu akzeptieren, dass ich nicht mehr diejenige bin, die wichtig ist. Weil ich spüre: das war es. Dieser Abschnitt geht zu Ende. Aber das Annehmen und Loslassen tut sehr weh. Ich hätte noch so viel zu sagen gehabt. Ich hätte so gerne verstanden warum. Aber dieser Raum, in dem das Telefon schweigt und die Erkenntnis wächst ist schmerzhaft.
Und ich kenne die Seite, dass der Abschnitt sich schon lange gut anfühlt, aber der Andere es einfach nicht checkt. Weggedrückte Nummern. Unter widrigen Umständen abgesagte Treffen. Nicht eingelöste Gutscheine. Nicht mehr melden. Nicht mehr wollen. Dann fühle ich ERLEICHTERUNG. Endlich vorbei. Diese Treffen. Die nix mehr geben und bewegen. Aber ich fühle auch SCHAM. Dass ich zu feige war es an-und auszusprechen. Dass ich es nicht beendet habe. Das wäre hart gewesen. Aber ehrlich. Und irgendwie auch fair.
Eine Freundin hat mal richtig mit mir Schluss gemacht. Es ist 25 Jahre her. Die Erinnerung Schmerz noch. Wie bei einer Liebe. Sie ist heute eine der drei Lebensfreundinnen. Ohne dieses Tal und die Tränen hätten wir nicht wieder zueinander gefunden. Wären Themen niemals auf den Tisch gekommen.

Loslassen. Da muss ich mich in den Rhythmus des Lebens hineingeben. Wie eine Welle. Kommen. Und brechen. Wie die Jahreszeiten. Kommen. Und gehen. Leben. Und sterben. So ist das Leben. Das ist nicht immer leicht. Aber etwas festhalten, was nicht mehr gut für mich ist: no way. Ich habe mich entschieden, dass ich meine Zeit nur mit den Menschen verbringen will, die mir gut tun. Nicht mit denen, die mir Kraft und Freude rauben. Aber ich will mutiger sein. Im Abschied nehmen. Im Schluss machen. Aus Respekt und Wertschätzung vor dem was war. Dann wird der Lebensabschnitt mit den damit gefüllten Menschen zum Segen. Sie waren wichtig und haben für mich einen Unterschied gemacht. Das will ich anerkennen und schätzen. Für den Anderen. Aber auch für mich. Sei dir gut❤️

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