May your days be merry and bright…

Die Spannung ist kaum auszuhalten. Morgen. Morgen kommt der Nikolaus. Das weiß selbst unsere Jüngste. Es rührt mich zu sehen, wie eifrig sie ihre Stiefel putzen. Mein Sohn saugt sogar seine Schuhe aus.

Alle drei in Vorahnung und in Vorfreude. Ich lausche ihren Gesprächen. „Nein, der Nikolaus bringt keine großen Geschenke, die kann er nicht tragen.“

Und mir kommen Bilder meiner Kindheit. Es lag häufig Schnee im Harz. Einmal kam mein Vater als Nikolaus verkleidet in unsere erste Klasse. Ich war mir eigentlich sicher, dass er es sei. Aber was, wenn nicht?

Meine Mutter backt und backt. Das Haus ist wunderschön geschmückt. Wir Kinder haben einen Adventskalender. Meine Mutter hatte ihn selbst genäht. Kleine Säckchen, die um die Küchentür hingen. Jeden Tag eine große Freude.

Ich erinnere mich an die Weihnachtsserien im Fernsehen. Und das Hören von Weihnachtsliedern. Wenn sie heute erklingen, kann ich fühlen und rieche, wie es in meiner Kindheit war. Es war friedlich und schön. Es gab noch kein Internet, so dass meine Eltern, oder einer von beiden, irgendwann und irgendwie in die nächste größere Stadt gefahren sein müssen um Geschenke zu besorgen. In jedem Jahr wurden Weihnachtskarten geschrieben. Das war meinen Eltern immer wichtig. Und nach Weihnachten haben wir Kinder Karten geschrieben und uns bei den Großeltern und Verwandten für die Geschenke bedankt.

Ich erinnere mich, wie sehr sich meine Eltern gefreut haben, wenn endlich das Weihnachtsgeld überwiesen war. Das ermöglichte etwas mehr Freiheit. Nicht, dass es uns Kindern an etwas mangelte, aber ich erinnre mich an die Erleichterung, wenn meine Eltern davon sprachen. Davon, dass nun eine neue Waschmaschine oder was auch immer gekauft werden konnte.

Wenn ich zurückschaue, dann empfinde ich tiefe Dankbarkeit. Wahrscheinlich hatten meine Eltern auch Stress. Aber ich habe nichts davon mitbekommen. Ich erinnre mich an: Vorfreude, viele verschieden Sorten Plätzchen, viele Kerzen und geschmückte Fenster, Lichter im Garten und eben die Säckchen an der Tür. Manchmal war eine D-Mark darin. Meistens am Adventssonntag. Das war das Größte. Und sonst gab es Süßigkeiten. Und zum Nikolaus eine Kassette. Das war schon sehr besonders für uns Kinder.

Und ich wünsche mir, dass ich es schaffe, für meine Kinder so Erinnerungen zu schaffen. Nicht, weil ich muss, sondern weil ich es lebe.

Ich liebe es wirklich unser zu Hause zu dekorieren. Ich liebe unseren hängenden Adventskranz. Ich liebe es, meine alten Rolf Zuckowski Weihnachtslieder zu hören, die ich auch nach über dreißig Jahren noch alle mitsingen kann. Sie sind wie Zuckerguss in mein Gehirn geklebt. Es geht gar nicht mehr darum, ob ich sie gut und oder nicht gut finde. Sie sind einfach da. Genau, wie die Melodie von „Drei Nüsse für Aschenbrödel“.

Ich will keine vollen, verrückten Dezember mehr. Ich will weniger von dem allem. Ich will, dass schon morgens die zweite Kerze brennt. Wir lesen eine Geschichte aus einem Adventskalender, den die Großeltern geschenkt haben. Wir stehen deshalb nicht früher auf als sonst. Irgendwie finden diese fünf Minuten ihren Platz, weil es uns allen wichtig ist.

Ich habe noch gar keine Geschenke besorgt. Ich bin überraschend entspannt und gelassen. Weil ich sonst nicht viel habe. Weil ich bewusst geplant habe. Und abgesagt habe. Und nun habe ich Zeit für spontane Treffen. Für im hier und jetzt sein. Ich will von allem Außen weniger und viel mehr vom Innen. Ich schaue schon zurück auf das Jahr und erahne im Dunst das Kommende.

Ich freue mich täglich, dass ich Menschen mit meinem Adventskalender eine Freude machen kann. Dass ich sie beschenken kann. Ganz ehrlich: ich glaube, ich werde davon am meisten beschenkt. Und so will ich in diesen Wochen weitergehen: mit offenen Augen und mit offenem Herzen. Ich grüße alle freundlich und versuche mich in Auto nicht mehr als unbedingt nötig aufzuregen (DAS ist die Übung für mich!) Ich zünde die Kerzen an, auch wenn ich alleine bin. Nur für mich. Ich höre Kinderlieder – auch wenn keiner da ist. Ich singe beim Weihnachtsoratorium in der Küche mit. Die Akustik ist grandios und ich bin überrascht, wie auch diese Musik, mein Herz zum Schwingen und Klingen bringt und wie sie eng verwoben ist mit Plätzchen und sehnenden Herzen.

Ich hole unsere Krippe aus dem Keller. Vielleicht bekommt sie in diesem Jahr endlich mal einen Stall. Ich halte das kleine hölzerne Jesuskind in meiner Hand. Noch ist die Krippe leer.

Aber bald feiern wir Geburtstag. Dann wird es in der Krippe liegen. Und ich freue mich schon so auf den Abend. Auf den Besuch der Familie. Auf die leuchtenden Kinderaugen. Darauf, dass mein Mann diesmal am 24 keinen Dienst hat. Und ich weiß, dass ich wieder Tränen in den Augen haben werde, weil ich mich glücklich schätzen darf, ein zu Hause zu haben. Eine Familie zu haben. In Frieden zu leben.

Vor mir hängt unser Säckchenkalender. Noch 18 Tage. Noch 18 Tagen in denen ich frei bin, diese Zeit so zu gestalten, dass sie mir und uns gut. In denen weniger meistens viel mehr ist für alle.

Sei dir gut ❤️

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