Mehr Schein als Sein

Ihr Lieben,

ich bin bewegt und berührt über so viele Begegnungen und Gespräche die ich führen durfte, was das Thema „Wie will ich eigentlich Weihnachten feiern“ angeht. DAS ist hochexplosiv. Ganz ehrlich. Da sind so viele unterdrückte Gefühle: Schuldzuweisungen. Verletzungen. Erwartungen. Und das alles kommt hoch, beim Feste der Liebe. Was mich am meisten berührt hat: wie viele Menschen ein Leben führen, das mehr Schein als Sein ist. Die seit Jahren so tun als ob. Immer wieder. Alle Jahre wieder.

Mehr Schein als Sein

Passend dazu habe ich am letzten Wochenende in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel darüber gelesen, dass es total normal in Russland ist, dass man sich Dinge mietet, die man sich niemals leisten könnte, damit der Schein auf einem Instagram-Bild gewahrt bleibt. Unfassbar oder? Lesen könnt ihr ihn hier.

So oft haben wir das Gefühl, wir müssten dies und das tun, dies und das Gerät haben und dies und das Können oder Wissen besitzen, sonst können wir in Zukunft nicht mithalten. Sonst gehören wir nicht dazu. Aber das stimmt nicht: Zukunft gestalten, besonders unsere eigene, können immer noch wir selbst. Ich merke das an mir: „Videos sind die Zukunft!“. Ok. Ich habe das verstanden. Ich kann das auch absolut nachvollziehen. Das ist ein tolles Medium. Und ich will darüber mehr wissen und lernen. Unbedingt sogar. Ich finde es unglaublich spannend und möchte mich in diesem Bereich weiterentwickeln. Aber wenn ich höre. „Bewegte Bilder sind die Zukunft!“ dann denke ich mir immer: „YES! Mittendrin! Ich muss mich nur umsehen. Überall bewegt Bilder!“ Ich muss nämlich überraschenderweise nicht auf bewegte Bilder in meinem Leben warten. Ich muss innehalten, um sie überhaupt mal wieder wahrzunehmen.

Und genau da sind wir bei einem ENTSCHEIDENDEN Punkt. Wahrnehmen. Und da ich mir vorgenommen habe, diese Adventszeit für mich als eine Zeit des Ankommens zu mir selbst und eine Ausrichtung auf 2018 zu nutzen, möchte ich mir Gedanken darüber machen, mit wem oder was ich überhaupt meine Zeit verbringe. Und nach viel Nachdenken und Nachspüren habe ich gemerkt, dass eine wichtige Übung für mich sein wird:

UNFOLLOW/UNSUBSCRIBE

Wir können uns entscheiden, wem wir zu zuhören. Von wem wir lernen wollen. Mehr noch: wem wir FOLGEN wollen. Denn all diese Stimmen, denen du zuhörst, die machen etwas mit dir. Bewusst oder unbewusst. Ich denke, dass eine ganz ENTSCHEIDENDE Frage lautet: sind die Menschen, denen du folgst um etwas zu lernen oder im Austausch zu sein,  Menschen, die dich inspirieren? Und zwar ihre Art und Weise zu leben. Wie sie denken oder agieren. Spürst du Sehnsucht, weil sie Werte haben, denen es sich lohnt zu folgen?

Ich folge Menschen, die mich inspirieren mehr zu Lernen. Die mich inspirieren großzügig zu sein und ein offenes Herz haben, die kreativ sind und das Gute im anderen sehen. Die wissen, dass das Leben kein Ponyhof ist und mit ihrer Ehrlichkeit eine Kraft haben, die anderen Hoffnung schenkt. Die nicht darüber hinweg bügeln, wenn jemand etwas anders denkt oder fühlt oder macht. Jemand, der bereit ist, sich in die Schuhe des anderen zu stellen. Und mitfühlt. Der respektiert und akzeptiert. Das, was ist. Auch, wenn er es anders machen würde.

Ich halte mich von Menschen fern, die in mir Unbehagen auslösen. Die über andere Lästern und herziehen und ihre Worte als Waffen gebrauchen. Ich halte mich fern, wenn ich merke, dass ihre Unzufriedenheit und Neid in mir etwas auslösen, was nicht gut für mich ist. Dann nehme ich mich in Acht, weil ich weiß, dass ich nicht davor gefeit bin, dass mein Herz hart und bitter wird.

Versteht mich nicht falsch, ich bin fasziniert von der virtuellen Welt und den social media Plattformen. Ich habe viele wunderbare Menschen getroffen und auch schon live kennengelernt. Einige sind zu Freunden geworden. Wir hätten uns niemals getroffen. Ich habe Menschen kennen und schätzen gelernt, die so ganz anders sind als ich. Menschen aus anderen Ländern, Religionen und Sexualität. Menschen, die anders wählen. Menschen, die anders sind. Und gerade deswegen kann ich viel von ihnen lernen. Besonders auch: über mich.

Aber ganz ehrlich: ich habe auch andere Erfahrungen gemacht. Ich habe Menschen getroffen, die gemein und hart sind. Die ihren Hass rauslassen. Die neidisch und habgierig sind. Die meinen, Zwietracht säen zu müssen. Ich bin häufig erschreckt, wie NORMAL diese Menschen sind. Wie schön ihre Fotos. Wie heil ihre Welt. Und wie unbarmherzig ihr Herz. Ganze ehrlich, das brauche und will ich einfach nicht in meinem Leben haben.

Nächste Woche beginnt die Adventszeit. Es ist eine laute, volle Zeit. Gefüllt mit so vielen Terminen und Treffen. Voller Shopping und Business-Terminen. Ich liebe dafür das englische Wort: BUSYNESS. Das trifft es doch total.

Aber vielleicht sehnst du dich auch nach mehr Raum und Stille. Auch im Internet. Dann gebe ich dir einen Rat: unfollow/unsubscribe jeden, der Angst, Wut, Habgier, Neid und Wut in dir auslöst. Und dann sei achtsam, WEN du hinzufügst. Vielleicht ein paar Menschen, die mutig und freundlich sind. Die dich mutiger machen wollen und von denen du etwas lernen kannst, was du sonst niemals kennengelernt und ausprobiert hättest. Auch bei diesem Thema geht es wieder um Verantwortung. Um Wahrnehmung. Wir haben es in der Hand mit wem und was wir unseren Tag, Gedanken und Herzen füllen. Und ich merke, alleine das Lesen von einigen Kommentaren auf einigen Seiten, verstört mich sehr. Ich möchte dieses Medium nutzen, um etwas Gutes daraus für mich zu ziehen. Und ich bin auch auf dem Weg. Ich lerne jeden Tag. Und ich muss mich jeden Tag dazu ermahnen, dass, bei aller Verlockung, das Leben außerhalb meines Bildschirmes stattfindet. Und mir eingestehen, wieviel Echtzeit ich verpasse. Weil ich gedanklich woanders bin.

Dir ein gutes Wochenende.

Die Weihnachtsmärkte öffnen.

Ich wünsche dir eine gute Vorweihnachtszeit.

Mit ganz vielen Keksen.

Mit ganz Staunen.

Mit ganz viel Sein.

„When you belong, you become.“

Sei dir gut❤️

Deine Natalia

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