Nähe

Am Wochenende waren wir in Holland zelten. Bomben Wetter. Bomben Zeltplatz.
Meine Älteste und ich sind zusammen duschen. Und während ich mich schon anziehe steht sie noch unter der Dusche und beobachtet mich.
„Mama“, sagt sie, „würdest du dir nicht auch manchmal wünschen mit deiner Mama noch mal so richtig zu kuscheln? So wie man es als Kind macht? Vermisst du das nicht?“
„You got me!“, denke ich. 
„Ja, manchmal schon“, sage ich. „Ehrlich gesagt, ich glaube, dass das sehr schön wäre. Darüber habe ich noch nie so richtig nachgedacht…“
„Ich liebe es mit dir zu kuscheln. Weißt du, man weiß ja nie, wann das Leben zu Ende ist und dann ist man vielleicht traurig, dass man mit seiner Mama viel zu wenig gekuschelt hat“, antwortet sie mir und küsst mich auf meinen Rücken.
 
Und ich stehe mal wieder da. Im Waschraum auf einem Campingplatz. Und kurz steht die Zeit still. Achterbahn.
Meine Gedanken rasen. Und mein Herz.
Meine Mutter und ich.
Und meine Tochter und ich. 
Und ich versuche nachzuspüren, wann ich sie das letzte Mal mit meiner Mama hatte. Also körperliche Nähe, meine ich.
Und ja, ich sehne mich immer wieder nach dieser Nähe, die ich mit meinen kleinen Kindern hatte.
Diese Nähe, die einen so nährt und erfüllt.
Gegenseitig. Bedingungslos. Geschenk.
Ich liebe diese „bedingungslose und es ist auch selbstverständlich und es geht auch gar nicht ohne“ -Nähe.
Wie anstrengend ich sie auch teilweise finde und fand. Weil ich so viel geben musste, auch wenn ich gar nichts zu geben hatte. Vor Müdigkeit und Erschöpfung. Wie das halt mit Kindern so ist.
Vor ein paar Tagen durfte ich sie nochmal kosten. Auskosten. Ich habe  30 Minuten regungslos auf dem Sofa gesessen und meinen Sohn gehalten, der -einfach so – auf meinem Arm eingeschlafen ist.
So wie früher.
Und ich habe ihn einfach durchgeliebt und angeschaut.
Und ich wünschte: ich hätte diese Momente NOCH MEHR genieße können.
 
Und für diese neue Woche nehme ich mir vor: ich werde ganz viel Nähe schenken.
Meinen Kindern. Und meinem Mann.
Ich werde ganz da sein in meinen Umarmungen und Küssen.
Ich will ganz viel in sie hineinlieben.
Und zwar dadurch, dass ich voll da bin.
Im Moment.
Bei jedem Abschiedskuss und bei jeder Begrüßung.
Kein Ritual.
Kein „gehört halt dazu“.
Ich bin mir sicher, dass das einen Unterschied machen wird. 
Welchen Unterschied möchtest du dieses Woche für jemanden machen?
Oder für dich?
Sei dir gut ❤️

3 Kommentare

  1. Julia

    19. Juni 2017 at 22:36

    Danke für die Denkanstösse! Toller Artikel.

  2. LB

    22. Juni 2017 at 22:13

    Je Älter die Kinder werden desto weniger wird gekuschelt.
    Es gibt immer mehr zu tun und die Zeit die dafür bleibt wird immer kürzer.

    Wir haben drei Kinder, 7 Jahre, 2 Jahre und ganz frisch, 3 Wochen.

    Vor 2 Jahren ist mein Vater gestorben,das ist noch immer sehr schwer, doch die schönste, liebevollste Erinnerung die ich an die letzten Tage habe ist die große Liebe die wir füreinander gespürt haben.
    Er lag in seinem Krankenbett und ich bin einfach reingeklettert.
    Er 65, ich 29 und das kuscheln war mindestens genauso schön wie als „Kind“ aber auf jeden Fall viel bewusster und ist die wertvollste Erinnerung an unsere Liebe!

    Danke das du mich mit deinem Artikel daran erinnert hast!
    Morgen früh mache ich keinen Stress das wir alles pünktlich schaffen sondern Kuschel mich mit den Kindern zusammen bevor der Tag so richtig losgeht.

    1. Natalia

      27. Juni 2017 at 22:33

      Liebe Lisa ❤️Danke. Deine Worte berühren mich sehr. Wie wunderschön, dass du dich so von deinem Vater verabschieden konntest. WAS für ein Geschenk und Schatz. Wie schön, dass du diese Liebe an deine drei Schätze weiterschenken kannst. Euch alles Gute und Liebe. Und: herzlichen Glückwunsch!

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