Schluss mit lustig

“Der Trainer bleibt immer cool.” Dieser Satz geistert durch mein Gehirn. In dieser Woche immer und immer wieder. Ich habe ihn vor Jahren mal von einem Kinderpsychologen gehört und fett in mein Notizbuch geschrieben.

Mit dem Trainer meinte er natürlich uns, die Eltern. Leichter gesagt, als getan. Mit meiner vorpupertären Tochter, meinem testosterongesteuerten Sohn und meiner Jüngsten, die meint auf jeden Kampf noch mal einen drauf zusetzen, merke ich immer wieder, WIE sehr mich manche Sachen einfach nerven. Und nicht nur das: die lieben Kleinen wissen ja GANZ GENAU, welche Knöpfe man drücken muss…

Und während ich diese Woche so viel gearbeitet habe und mein Mann und ich uns die Klinke in die Hand gedrückt haben und gestern eigentlich UNSER Abend war und wir mal früher ins Bett wollten, damit wir es auch mal wieder nett miteinander haben, sind wir beide nach 10 Sekunden eingeschlafen. Fix und fertig. Und das aus unterschiedlichen Gründen. Dahin die schöne Zweisamkeit.

Was ich mit den Kindern am absolut herausfordernsten und anstrengendsten finde?

Grenzen setzen. Einhalten. Konsequent bleiben.

Mehr nicht.

Wäre ja ganz einfach, wenn der Trainer immer cool bleiben würde. Ist er aber leider nicht. Besonders nicht, wenn er nicht gut für sich gesorgt hat. (Zu späte im Bett, zu wenig Sport, zu wenig Ausgleich, zu wenig… kurz, wenn er sich zu wenig gut war. Ich wiederhole mich, ich weiß!)

Ich bin davon überzeugt, dass aber gerade diese liebevolle Konsequenz das Wichtigste ist, was wir unseren Kindern mitgeben können. Es ist die größte und wichtigste und schwerste und anstrengendste Aufgabe, die meiner Meinung nach Elternsein ausmacht. Aber neben dem, dass ich mir wünsche, dass mein Kind später GLÜCKLICH ist, wünsche ich mir doch vor allem eines: DAS ES GUT DURCH SEIN LEBEN KOMMT. Und dafür braucht es immer wieder Konsequenz.

Aber Grenzen mit unseren Kindern beginnen mit Eltern, die ihre eignen Grenzen kennen, fühlen und benennen. Diese Eltern haben Kontrolle über sich. Nicht immer, aber dann ist es ihnen wenigsten bewusst. Auch, wenn es leider nicht mehr wirklich populär ist und wir meiner Meinung nach DESWEGEN sehr viele Schwierigkeiten im Umgang mit Kindern in Kindergärten, Sportvereine und Schulen haben, in der Familie sind die Eltern die Nummer 1. Wenn dein Kind immer wieder durch Gequengelt und Protest seinen Willen durchsetzt, dann ist dein Kind die Kummer 1. Und wer ganz oben ist muss sich gar nichts mehr sagen lassen. Und machen schon mal gar nicht.

Und ganz klar: es geht NICHT darum, den Willen des Kindes nicht zu respektieren. Aber es gibt eben Situationen, da braucht es Klarheit. Struktur und Führung.

Wir sind da zum Beispiel ganz strikt, was Fernsehzeiten und Spiele auf dem Tablet angeht. Total old school. Unsere Kinder dürfen nicht alleine ins Internet. Sie dürfen nicht ohne zu fragen fernsehen. Und sie halten sich dran. Weil sie genau wissen, dass das Nichteinhaltung Konsequenzen hat. Ganz ehrlich: das war uns ist ein weiter Weg, aber ich weiß, dass es im Internet Gefahren gibt und meine Kinder wissen das eben nicht. Also ist es MEINE PFLICHT, ihnen zu helfen, einen verantwortungsvollen und bewussten Umgang damit zu lernen. Denn ich weiß ganz genau, dass ich die Kontrolle in ein paar Jahren, und wahrscheinlich früher als mir lieb ist, aus der Hand geben muss.

Wir hatten also folgende Szenen über Wochen und inzwischen gefühlt Jahren. (Denn Kinder sind kleine Wissenschaftler die in REGELMÄßIGEN Abständen kontrollieren, ob der Trainer es auch wirklich ernst mein. Also: BE PREPARED!

 

Und dann MUSS ich folgendes aushalten:

  • “Mama, du bist so scheiße…” (eine Woche Tabletverbot)
  • Heulen
  • Türe knallen
  • Gegen die Türe treten
  • “alle dürfen, nur wir nicht”
  • heimliches verlängern der abgesprochenen Zeit (drei Wochen Tabletverbot)
  • Weinen, weinen und nochmal weinen…

Und vieles könnte ich nun im Laufe der Jahre auf Zimmeraufräumen, Hausaufgaben usw. GENAU SO schreiben. Same, same, but different.

Wenn du möchtest, dass dein Kind immer glücklich ist und du dich erwischt, dass du dich immer wieder aushebeln lässt und deinen Werten nachgibst, muss ich dir drei Dinge leider sagen. Klar und deutlich.

  • Frag dich mal, welche Werte du hast.  Ob das einzig Wichtige für dich ist, dass dein Kind glücklich oder zufrieden ist? Und deshalb gibst du immer wieder nach? Oder auch, weil du keine Lust auf die Diskussionen hast? Auch, wenn das zur Folge hat, dass es dich immer mehr stresst. Deine Werte setzt du auf Grund der emotionalen Reaktion eines unreifen Kindes.
  • Eines der wichtigsten Aspekte um ein Kind aufzuziehen: Frustration ist ein Schlüssel für Wachstum. Ein Kind, was nie frustriert ist, entwickelt überhaupt keine Frustrationstoleranz. Und dann wird beim Sport, beim Spielen und wo auch immer gleich ein RIESEN Theater gemacht, wenn man mal nicht gewinnt oder es nicht so läuft, wie man will. Sorry, aber das ist halt so im Leben. Muss man lernen.
  • Du erziehst dein Kind in dem Glauben, dass es immer glücklich sein kann und alles von anderen bekommt, was er will, wenn er einfach nur rumschreit, protestiert und heult.

Ich will es nicht. Nicht jetzt und ich möchte auch nicht, dass meine Kinder mit ihrem Verhalten vor die Wand laufen. Und: nein, mir gelingt das nicht immer. Ich hatte diese Woche ein Gespräch mit einer Lehrerin über das Verhalten meines Kindes in einer Stunde. Und ich konnte Teile nachvollziehen. Und dann bin ich und wir als Eltern auch dafür verantwortlich, unsere Verantwortung zu übernehmen. Bestimmte Sachen neu zu denken. FÜR unsere Kinder.

Ich musste und muss immer einer lernen, dass ich, wenn ich Veränderung erreichen will, an einer wichtigen Grundregel festhalten muss: Der Protest des Kindes darf nicht richtig oder falsch definieren. Nur weil dein Kind gegen deine Regeln rebellierte, heißt das nicht, dass etwas Schlimmes passiert. Es rebelliert und das darf und soll es auch. Und wenn du es liebevoll anschaust und seinen Schmerz und seine Wut verstehst und respektierst, dann kannst du ihm helfen darüber hinwegzukommen. Wenn du seiner Wut mitfühlen und emphatisch entgegenstehst, kann sich der Charakter gut entwickeln.

Wenn du immer wieder nachgibst, wirst du täglich den gleichen, kräfteraubenden Kampf führen, den du am Ende immer und immer wieder verlierst. Wenn du meinst, deine Kinder vor der Frustration von DEINEN Grenzen zu schützen, werden sie immer größerer und immer längere Geschosse auffahren.

Du bist verantwortlich gut für dich und deine Grenzen zu sorgen. Für deinen Schlaf und für deine Kraft. Und auch dafür, es auszuhalten, dass dein Kind nicht nur glücklich ist. Sondern es zu unterstützen, dass es zu einem Menschen heranwächst, der respektvoll mit Menschen und Tieren und Dingen umgeht.

Sei dir gut ❤️

4 Kommentare

  1. Susi

    13. Oktober 2017 at 12:25

    Danke für deine weisen Worte! Es stimmt:Ich lasse mich auch oft von der Frustration meiner Kinder leiten. Mit ihrer beinharten Dauer-Nach-Fragerei (Aber warum darf ich jetzt nix naschen?) und ihren Vergleichen (Aber der Max bekommt viel mehr Taschengeld! usw.) treiben sie einen oft weit über die eigenen Grenzen hinaus und ich gebe nach um endlich meinen Frieden zu haben – der dann aber auch nur bis zur nächsten Diskussion anhält… Ich werde beim nächsten Tobsuchtsanfall (von den Kindern oder mir) versuchen an deine Worte zu denken 😉 lg Susi

  2. Katerina Fistéra

    14. Oktober 2017 at 15:54

    Ein wunderbarer und wichtiger Beitrag! Obwohl meine Kinder längst erwachsen sind, berührt er mich sehr . Ich fühle mit euch Eltern , meinen Kindern,und ich fühle mit euren Kindern, meinen Enkelkindern.Und wenn ich wiederholt die Zeilen in diesem guten Beitrag lese, bin ich doch etwas beruhigt und stolz, dass wir als Eltern doch sehr vieles gut gemacht haben, trotz aller Fehler ,die Ihr, unsere Kinder , immer noch bis heute spürt. Danke! Fühle Dich geliebt!

  3. Susanne

    19. Oktober 2017 at 12:25

    Ein wunderbarer Beitrag über ein schweres Thema, Danke Dir dafür! Es tut gut zu lesen, dass wir mit unserer Überzeugung und unserem Weg nicht alleine stehen.

    Was habe ich anderswo gelesen:
    Wir müssen nicht unsere Kinder glücklich machen! Aber ihnen helfen, selber das Glück zu entdecken und zu fühlen.

    Auch das nimmt so viel Druck aus der Eltern-Kind-Beziehung, ist aber ein Weg, der wie Du oben schreibst im ersten Moment viel schwerer scheint als den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen.

    Ich lese gerne bei Dir!

    1. Natalia

      19. Oktober 2017 at 12:46

      ❤️Liebe Susanne! Ich danke dir für deine Worte, ich auch für mich Ermutigung sind. Hab dank für deine Zeilen.

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