Stille.

Freitag Abend. Wir trinken unseren Tagesabschlusssommerwein in unserem Garten. Frieden. Ruhe. Glück.
Bis der Gong der Nachrichtenapp die Idylle jäh’ zerstört. München. “Schon wieder”, denke ich. Und spüre Angst. Unsicherheit. Mein Mann sagt: “Ich habe mir noch nie Sorgen um die Zukunft unserer Kinder gemacht …”
Die Zukunft unsere Kinder. Und, die Sorge ist nicht weniger geworden, seitdem klar ist, da hat ein Junge geschossen. Die Frage hat sich eher umgestellt: in WAS für einer Welt wachsen unsere Kinder auf. Und diese Welt mitzugestalten ist unsere Aufgabe!
Das, was Kinder brauchen ist: Liebe. Annahme. Fürsorge. Bindung. Zeit.
Aber wenn ich mich umschaue sehe ich: Eltern, die einen Kinderwagen schieben und die ganze Zeit auf ihr Handy schauen. Obwohl das Kind wach ist. Und teilweise auch schon groß. Das gleiche Bild auf dem Spielplatz. Kommunikation? Anteilnahme? Häufig: erst die Nachricht fertig tippen!
Eine Bekannte erwartet ein Baby. “Geplant ist nicht, dass er (das bald Neugeborene!) bei uns im Bett schläft…”
“Unsere Kleine kommt jetzt jede Nacht zu uns”, berichtet eine frustrierte Mutter beim Kinderturnen, die das Kind jeden Tag von 7:00-16:30 Uhr in der Kita hat und danach noch Programm macht.
Und ich sehe das und höre das und denke: WAS ist mit UNS los?

Kriegen wir eigentlich noch mit, was um uns passiert? Entschuldigen wir uns bei unseren Kindern, wenn wir ihnen Unrecht getan haben? Leben wir ihnen vor, wie man sich versöhnt? Mit dem Partner? Dem Nachbar? Den eigenen Eltern?
Sind wir doch häufig so wahnsinnig eingebunden und gestresst, dass man sich nur nach Ruhe sehnt. Nach bloß-nicht-reden! Wir bedauern es zutiefst, dass wir nur noch selten Gäste unter der Woche abends einladen. Wir sind zu fertig. Aber: es fehlt uns. Wir wollen ein offenes Haus sein und Gastfreundschaft vorleben. Ich will weiterhin die Wäsche einer Freundin trocknen, deren Maschine kaputt ist. Ich will Zeit mit meinen Kindern. Mich nervt der ganze Hype um Schule. Drinnen, von den Lehrern, die so hohe Erwartungen der Eltern erfüllen sollen und müssen und selber häufig so ausgebrannt sind und draußen, von den Eltern, die nur das Beste wollen, aber ihren Anteil daran gerne mal übersehen.

Ich bin wütend über die Behauptung, dass Karriere und Kind problemlos funktioniert. Das ist schlicht gelogen! Natürlich funktioniert das. Und wenn die Kinder klein sind allemal. Weil sie sich auch so wenig beschweren. Und so viel aushalten und mitmachen. Aber, und da bin ich mir ganz sicher: mindestens einer in so einer Konstellation zahlt einen Preis dafür: die Kinder, die Ehe, man selber oder der Job.
Bräuchten wir nicht viel mehr Netzwerk, offene Herzen und Augen für Alleinerziehende, die tagtäglich das leisten, was ich mir kaum vorstellen kann: Job. Kinder. Sorgen. Alles. Alleine. Unvorstellbar!
Statt zu urteilen und zu verurteilen, lasst uns das Gold, das in jedem glänzt finden und bewahren. Lasst uns aufmerksam und mutig sein zu kommunizieren. Zu helfen. Zu lächeln. Zu verzeihen. Den Nachbarn grüßen. Die Mülltonne ungefragt zurückstellen. Die Tür aufhalten.

Lasst uns Vorbild sein für unsere Kinder. Für uns. Jeder kann einen Unterschied für jemanden anderes machen. Und das sind kleine Dinge. Hin- und nicht wegschauen. Trösten und nicht verharmlosen. Bekennen und nicht die Schuld beim Anderen suchen. Sich anvertrauen, wenn es Probleme gibt und das Schweigen brechen. Verletzlich sein, statt Härte ausstrahlen. Präsent sein, statt perfekt. Auf das Herz hören und es wieder spüren.

Mensch sein. Das wünsch ich mir. Für mich. Für dich. Für uns.
Sei uns gut ❤️ Sei dir gut ❤️

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