Todestag

Es gibt Daten, die man sein Leben lang nicht mehr vergisst. Auch, wenn es in Anbetracht der unzählig’ vergessenen Geburts-und Hochzeitstagen, unmöglich erscheint. Es sind die Daten, an denen die Welt kurze Zeit still stand. Nur für einen selber. An denen man nicht begreifen kann, dass sie sich aber dennoch weiterdreht.
Für mich ist es der 10. Juli. Der Todestag. Der Tag, an dem mein Bruder Raphael plötzlich während unseres Zelturlaubs starb. Genau heute vor 30 Jahren. Das Bild muss kurz vor der Abreise entstanden sein.
Ich hätte nicht gedacht, dass so ein Datum allgegenwärtig bleibt. Beim Anblick auf das Haltbarkeitsdatum im Supermarkt. Bei Veranstaltungshinweisen. Nicht so, dass es einen noch überwältigt. Aber doch schmerzt. Denn mit diesem Tag hat sich das Leben grundlegend verändert.
Ob es sich irgendwann wieder gut und leicht, lebendig anfühlt ist ein Weg und eine Entscheidung. Eine Entscheidung, das Erlebte anzunehmen. Zu betrauern. Es zu bejahen. Nicht unbedingt, es zu verstehen. Für vieles gibt es einfach keine Erklärung. Oder keine Gute. Es ist eine Entscheidung, dass die Vergangenheit nicht deine Zukunft bestimmt. Es ist eine Entscheidung, sich auf das Gute und Schöne auszurichten und das schmerzhafte als einen wichtigen Teil der Wegstrecke anzuerkennen und anzunehmen.
Sich das Gute und Schöne das man erlebt hat zu vergegenwärtigen, hilft, sich hoffnungsvoll auszurichten. Und dann gesellt sich das Schwere und Traurige als bunter Mosaikstein zu den anderen dazu. Und in ihrer Gesamtheit bringen sie dich zum Leuchten. Sei dir gut ❤️

 

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