Unterbrechung

“Ich habe eine Überraschung für dich gemacht, Jakob!”, schreit meine dreijährige aus dem ersten Stock herunter. Oben im Bett soll ein neuer Mensch liegen. Gespannt erklimmt die ganze Familie die steile holländische Treppe, die der TÜV gefühlt niemals genehmigt hätte. Und oben liegt tatsächlich jemand im Bett. “Als ob jemand eine Hülle hier gelassen hat”, sagt unsere Älteste. Und schon sind wir verwickelt in ein Gespräch über Leben und Tod. Und darüber, was bleibt, wenn wir gehen und ob Minionschlafanzüge auch in den Himmel kommen. “Das Herz bleibt irgendwie auf der Erde”, sagt der Besitzer des Schlafanzuges. Stille und verwirrte Blicke unter uns Eltern. “Wie meinst du das?”

“In meinem Herzen liebe ich euch alle. Jeden gleich viel, damit niemand traurig ist. Und wenn ich mal tot bin, dann liebe ich euch noch immer und in meinem Herzen ist das einfach für immer so und dann muss keiner mehr traurig sein!”

Ich spüre Tränen in mir aufsteigen. Der Gedanke tröstet und schmerzt. “Was ist denn, Mama?” “Ich bin etwas traurig. Die Vorstellung einen von euch zu verlieren schmerzt mein Herz…” Zwei Jungenarme schlingen sich um meinen Hals. “Dann bleibt der Minionschlafanzug eben bei dir. Den hab ich eh am Allerliebsten.” Nun muss ich doch weinen. Ein kleiner Hauch von Nordseewind weht durch das Zimmer. Nur mein Sohn und ich. Und ich denke und fühle, wenn schon nicht für immer, dann wenigstens für ewig.
Sei dir gut ❤️

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