Was wirklich zählt

 

Ihr Lieben,

letzte Woche habe ich darüber geschrieben, dass ich in diesem Jahr wirklich versuchen möchte, das Tempo rauszunehmen. Bewusst zu drosseln, so dass die Adventszeit und die letzten Wochen des Jahres nicht an mir und uns vorbeifliegen. Und das möchte ich nicht, weil ich diese Zeit am liebsten mit lauter “In der Weihnachtsbäckerei”- Nachmittagen, an denen ich ach so entspannt mit drei Kindern Kekse backe und Bienenwachskerzen drehen, füllen möchte.

Nein, ich möchte MICH füllen und erfüllen lassen. Ich möchte mir diese Zeit nehmen, damit ich das Jahr gut abschließen kann. Damit ich die Ankunft des neuen Jahres voll und ganz wahrnehmen kann. Ich bin ein Mensch mit viel Energie. Ich liebe das Leben. Ich liebe es wirklich unser Haus weihnachtlich zu dekorieren. Aber nicht, weil das schon immer so wahr (obwohl mir das eine liebgwonnene Kindheitserinnerung ist), sondern weil ICH es so will. Ich will einen Adventskranz, der nach Tannen duftet. Ich will, dass das Haus schön geschmückt ist. Nicht, weil ich einem Ideal hinterher hechele, sondern weil es mir hilft, mir bewusst zu machen, dass diese Zeit nun gekommen ist. So, wie im Herbst die Blätter ankündigen: “vorbei!”, kündigt für mich die Deko “Beginn!” an. Und deshalb kaufe ich den Adventskranz immer pünktlich, auch wenn es ihn nach dem ersten Advent gleich deutlich günstiger gibt.

Dieses Ritual hat etwas, dass mir Sicherheit und Beständigkeit schenkt. In einer Zeit und in einem Alltag, der sich manchmal immer schneller und schneller zu drehen scheint. Aber schwindelfrei war ich noch nie und deshalb ist es für mich wichtig, immer wieder bewusst auf die Bremse zu treten. Innezuhalten und mir zu sagen: “Nicht in diesem Jahr. Ich will das so nicht mehr. Ich will Vorfreude. Ich will auf keine Weihnachtsfeiern, Weihnachtsmarkttreffen oder was auch immer, nur weil man das so macht und muss. Nein, ich will das nur, wenn ich will.”  Das ist das, was ich fühle.

Damit mir das gelingt, muss ich eines:

VORBEREITET SEIN

Ich werde und muss Vorbereitungen für die Adventszeit treffen. Die erste Vorbereitung war, meinen Mann mit ins Boot zu holen. Also: Kamin an, Rotwein auf. Und ich habe ihm erzählt, wie es mir geht und wie ich es mir in diesem Jahr für mich wünsche. Und ihn dann gefragt, was er will. Dann muss man eine kleine Pause aushalten, weil er in seinem vollen Alltag bisher gar nicht gemerkt hat, dass es “ja bald wieder so weit ist!” Nein, dass ist gar nicht böse gemeint, es ist aber einfach so. Und ihm tat das auch gut, mal nachzuspüren. Daraus hat sich ein gemeinsamer Plan entwickelt. Und es fühlt sich SO gut an, gemeinsame Sache zu machen. Uns wurde folgendes klar:

bevor wir innerlich zur Ruhe kommen können, MÜSSEN wir für äußere Ordnung sorgen.

Und: tatata!  Ich habe mich mit meiner Freundin auf einen Kaffee getroffen und sie hat mir ganz begeistert von einem Aufräumbuch erzählt. Aufräumen. Nun gut. Aber nein, sie hat so begeistert erzählt, wie das Sortieren und Ausräumen und Aufräumen ihr geholfen hat zur Ruhe zu kommen. Zur Ruhe kommen. BÄHM! Das war mein Stichwort und ich habe es gleich gekauft. Es ist das Aufräumbuch der Japanerin Marie Kondo und heißt “Magic Cleaning” (ist ne persönliche Empfehlung und keine Werbung by the way…) Ich habe davon auch schon mal gelesen und gehört, aber richtig Feuer hatte ich für das Dauer-Thema nicht gefangen. Aber es ist ein Thema, dass mich und meinen Mann immer wieder total nervt. Also haben wir es beide gelesen. Hallo?! Mein Mann liest ein Aufräumbuch.

Was uns beide fasziniert hat war vor allem eine Idee: “Umgib dich mit Dingen, die dich glücklich machen.” Da hatten wir sofort eine Verbindung, denn unser Ziel ist es auch, uns mit Menschen zu umgeben, die uns glücklich machen und keine Energiefresser für uns sind. Dass auch DINGE dazugehören könnten, darüber haben wir noch nie nachgedacht. Und wie das so bei Ratgebern ist, man nimmt das an, was zu einem passt. Und so haben wir das Buch als Anleitung genommen und haben wirklich angefangen aufzuräumen. Und haben alles in die Hand genommen und uns diese Frage gestellt. Und es dann behalten oder eben abgegeben. Aber abgeben in einer anderen Haltung der Dinge gegenüber nicht. Nicht einfach weggeschmissen oder verschenkt, sondern kurz dankbar innegehalten, dass wir diese gemeinsame Zeit hatten. Das hört sich jetzt vielleicht etwas merkwürdig an und ich bedanke mich jetzt auch nicht bei meinem Pullover, wenn ich ihn abends ausziehe, so wie Frau Kondo da macht. Nein, aber den Dingen WERTSCHÄTZUNG entgegenbringen und sie dann loszulassen ist viel einfacher. Dann fällt das Trennen so viel leichter. Und auch die Entscheidung FÜR.

Und: wir können es kaum glauben, aber unser Haus ist viel aufgeräumter. Und diese Ordnung schafft Ruhe. Das haben selbst unsere Kinder bemerkt. Und dabei geht es nicht nur darum, dass es jetzt schöner ist. Das ist ja sehr individuell, wie Menschen sich Ordnung vorstellen. Selbst innerhalb der Familie… Nein, es geht um Ordnung, um sich selbst zu ordnen. Zu sortieren. Ich kann das wirklich nur empfehlen. Und wenn man das gemeinsam machen kann, dann ist das wunderbar, weil es auch die gemeinsamen Zeiten und Erinnerung nochmal wachruft und wertschätzt. “Win win”, sozusagen.

Die weitere Vorbereitung war:

Kalender abgleichen. Prioritäten setzten. Streichen, was nicht glücklich macht.

Gut, da muss ich zugeben, es gibt Termine, die sind gesetzt. Die kann man nicht absagen und die Gründe dafür sind vielfältig. Aber: wenn die Termine drumrum sich gut anfühlen, dann verlieren die anderen auch ihren Schrecken. Ich frage mich aber auch bei den scheinbar gesetzten: “was würde passieren, wenn ich dort nicht hingehen würde?” Und die erschreckende Antwort lautet meistens: “NICHTS.”

Wir haben uns also zwei große Blätter genommen und die beiden Monate aufgeschrieben. Das hat uns total geholfen, mal alles im Blick zu haben. Und zu merken: “die Woche ist schon so voll, da geht das nicht mehr.” Oder auch: “hier soll es frei bleiben.” Und wir haben uns dann gut überlegt: “Welche Begegnungen machen uns glücklich?” Und wir haben beide gemerkt: wir sehnen uns danach spontan zu sein. Und daher haben wir bisher kaum Termine. Und wenn nur solche, auf die wir uns voll freuen. Aber so was von. Und dann ist da noch immer Freiraum für Menschen, mit denen wir uns treffen möchten. Und das fühlt sich so gut an. SOOOOO gut.

Kurz: was haben wir gemacht?  Wir haben uns gemeinsam hingesetzt und nachgespürt, was für uns wirklich zählt. Und das sind, neben Gesundheit, unsere Beziehung. Unsere Familie. Freundschaften und das Gefühl, über die Zeit frei verfügen zu können. Ist das nicht verrückt? Denn das können wir ja eigentlich immer, aber der Alltag ist so voll, dass wir meinen, das können wir gar nicht. Ist auch manchmal gefühlt so. Aber ich glaube, dass wir viel freier sind, als wir denken, wenn wir zu machen Dingen ein klares “Nein” finden und sagen, um dann ein “JA! aus ganzem Herzen zu finden. Und das bedeutet manchmal auch Enttäuschungen, Konflikte und auch Verzicht.

Ich bin so dankbar, dass ich merke, dass es für mich so wichtig ist, gut vorbereitet zu sein. Vor allem innerlich. Dann kann ich mir gut sein. Und du dir auch.

Sei dir gut❤️

deine Natalia

 

2 Kommentare

  1. Svenja

    9. November 2017 at 19:23

    Also Du kannst von mir aus jeden Termin absagen. Nur den 16.,12. den bittebittebitte nicht. Aber wenn es doch sein muss, dann eben auch den. Meine Monate sehen ganz anders aus als Deine. Sie sind voll. Aber mit Dingen, die ich will – und das ist dann ja auch wieder OK. Drück Dich feste. Svenja

    1. Natalia

      9. November 2017 at 19:49

      Meine Liebe, wenn du auf das Bild schaust, dann steht SHE GOS Köln fett im Kalender. Und egal(!) was kommt: der bleibt. Nein, ich fülle meinen ja gerade nur mit Dingen, die ich will. Wie toll, dass du das schon hast! Voll, ist bei mir gar nicht das Problem. Aber die Termine, die ich nicht will plus voll, die killen mich. Ich drücke dich!

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