Adventszeit

November.

Es ist erst November. Aber in mir macht sich eine neue To-do- Liste breit: nur noch 20 Tage bis… Bis zum ersten Dezember. Und genau dann, am 1. Dezember werden hier leuchtende Kinderaugen strahlen und voller Freude und Neugier auf ihren Adventskalender schauen, den sie hoffentlich nicht befummeln und so unentdeckt bleibt, dass noch 22 Säckchen leer sind…

Und dann: NUR EINEN TAG später beginnt in diesem Jahr die Adventszeit.  Zum Glück habe ich diesmal schon vier Kerzen gekauft. Denn das hat mir in den letzten Jahren wirklich die Laune verdorben: alles schön dekoriert und der Geruch von Tannen am Adventskranz übertüncht den Heißkleber, mit dem ich die Äpfelchen und Nüsschen auf’s Tannengrün geklebt habe. Nun KÖNNTE es entspannt, heimelig und gemütlich werden, WENN nicht wieder die Kerzen fehlen würden… Nee, an den Weihnachtsbaum denken wir da gar nicht erst, wir kaufen immer erst “kurz vor knapp” und suchen dann einen von denen aus, die keiner mehr wollte, aber die am Heiligen Abend doch genau so schön aussehen. So im Halbdunkeln und mit Kerzen und so.

In den letzten Jahren haben wir zunehmend gemerkt: DAS kann es ja nicht sein. Und vielmehr: so WOLLEN wir das alles gar nicht. Nicht mehr. Und dieses Gefühl hat dazu geführt, dass wir uns besonnen haben, WAS wir gerne ändern möchten. Und wir haben gemerkt, dass uns folgende Gedanken sehr geholfen haben:

1. In Erwartung sein

Ich will die Adventszeit für mich zu dem machen, was sie ist: Nämlich eine Zeit der freudigen Erwartung.
Die Erwartung der Ankunft. (Ganz. kurz. Advent. Bedeutung: das Warten auf die Ankunft! Auf die Geburt. Die Geburt von Jesus im Stall. Die Hoffnung, dass Gottes Liebe hier auf Erden in menschlicher Gestalt sichtbar und erfahrbar wird. Das bedeutet Weihnachten. Ist so. Auch, wenn wir das im ganzen Trubel und Vorweihnachtsstress und Partys und Kekse-backen-müssen und was auch immer schnell vergessen und vielleicht auch gar nicht glauben, darum geht es um Weihnachten. Und so und nur so, macht die ganze Adventszeit nur Sinn.)

Ich mag das englische Wort “Season”. Advent ist im englischen eine Season. Sozusagen die fünfte Jahreszeit. (Ok, für manche eher die sechste!)

“For a reason, for a season” ist einer meiner liebsten Sprüche, denn ich glaube, dass es hilfreich ist, die einzelnen Abschnitte im Leben bewusst wahrzunehmen.

Advent bedeutet Ankunft.

Vor ein paar Jahren habe ich gespürt: Ich will bei mir ankommen. Innerlich. Zur Ruhe kommen. Voll da sein. Ich will das Jahr gut zu Ende zu bringen. Und zwar bewusst. Und nicht nebenbei. Ich möchte es ruhiger angehen lassen. Dafür muss ich ein paar Vorbereitungen treffen. Und die fangen mit ganz wichtigen Fragen an:

“Wie möchte ICH Weihnachten feiern?”

“Wie möchten WIR als Familie feiern?”  (Und JA! Das beinhaltet die Frage mit wem?!)

Lass deine Antwort in Dir wachsen. Und vielleicht wird aus einem “aber das war schon immer so” oder “das muss so” oder auch “das geht nicht anders!” etwas überraschend Neues. Weil du dich getraut hast, etwas Neues zu erwarten.

Wenn du dir in diesem Jahr etwas anderes wünschst, dann beginnt das damit, dass du deine Bedürfnisse aussprichst, damit ihr dann einen Weg findet. Einen, der gut für alle ist. In dem man vielleicht auch aus Liebe über seinen Schatten springt. Soll ja schließlich das Fest der Liebe gefeiert werden

2. Gefüllt sein

Manchmal hatte ich das Gefühl ich bin eine Mogelpackung. So wie die 22 leeren Säckchen. Mehr Schein als Sein. “Kekse backen?” NATÜRLICH! “Weihnachtsmarkt und Riesenrad?” SELBSTVERSTÄNDLICH! “Geschenkideen?” SCHON BESTELLT!  “Bastelst du mit den Kindern?” IMMER! Ich war gut organisiert, hatte alles auf dem Schirm, aber besinnlich? Fehlanzeige. Schön und ruhig und draußen fällt leise der Schnee? Mitnichten. Nein, meistens war es stressig und ätzend, weil ich irgendeinem Ideal hinterher gehechelt bin. Daher habe ich vor zwei Jahren eine bewusste Entscheidung getroffen: ich will nicht die Tage mit “ABER DAS MACHT MAN DOCH” füllen, sondern ich möchte diese letzten Tage im Jahr bewusst FÜR MICH füllen.

Ich möchte mir diese Zeit nehmen, damit ich das Jahr gut abschließen kann. Damit ich die Ankunft des neuen Jahres voll und ganz wahrnehmen kann. Ich liebe es wirklich unser Haus weihnachtlich zu dekorieren. Ich will einen Adventskranz, der nach Tannen duftet. Es hilft mir mich zu ordnen. Mich auszurichten. So, wie im Herbst die Blätter ankündigen: “vorbei!”, kündigt für mich die Deko “Beginn!” an.

Aber damit das überhaupt gelingen muss ich mich vorbereiten. (Und daher liegen die vier Kerzen bereits im Keller. YES!)

3.VORBEREITET SEIN

Die erste Vorbereitung war, meinen Mann mit ins Boot zu holen. Also: Ab auf’s Sofa, Rotwein auf. Und ich habe ihm erzählt, wie es mir geht und wie ich es mir anders wünsche. Und ihn dann gefragt, was er will. Dann muss man eine kleine Pause aushalten, weil er in seinem vollen Alltag bisher gar nicht gemerkt hat, dass es “ja bald wieder so weit ist!” Nein, das ist gar nicht böse gemeint, es ist aber einfach so. Und ihm tat das auch gut, mal nachzuspüren. Daraus hat sich ein gemeinsamer Plan entwickelt. Und es fühlt sich SO gut an, gemeinsame Sache zu machen. Uns wurde folgendes klar:

bevor wir innerlich zur Ruhe kommen können, MÜSSEN wir für äußere Ordnung sorgen.

Und so nehmen wir uns seitdem immer bewusst den Kalender vor und schauen, WAS in der Zeit wirklich sein muss. Dabei haben wir erfahren, dass es das schönste ist, bewusst NICHTS zu planen. Natürlich gibt es Termine, die sind gesetzt. Ich habe mir aber erlaubt mir die Frage zu stellen: “Was würde passieren, wenn ich dort nicht hingehen würde?” Und die erschreckende Antwort lautet meistens: “NICHTS.”

Wir haben uns also zwei große Blätter genommen und die beiden Monate aufgeschrieben. Das hat uns total geholfen, mal alles im Blick zu haben. Zu merken: “die Woche ist schon so voll, da geht das nicht mehr.” Oder auch: “hier soll es frei bleiben.” Wir beide haben gut überlegt: “Welche Begegnungen machen uns glücklich?” Was dabei rausgekommen ist? Wir sehnen uns danach spontan zu sein. Dafür wollten wir Freiraum schaffen.

4. Sprechen

Und während wir so zusammensaßen und gesprochen haben, haben wir wieder gemerkt, WIE VIELE ERWARTUNGEN an diesem Tag zusammenkommen. Von so unterschiedlichen Seiten. Und dass es da nur Enttäuschungen geben kann, wenn der Anspruch und der Wunsch so groß ist, aber leider NIE GEÄUßERT wurde. Es ist ja schon 364 Tage im Jahr unmöglich Wünsche von den Lippen abzulesen. Und es wird auch an DIESEM Tag nicht gelingen. Daher macht es wirklich Sinn, mal in die Runde zu fragen:

  • wie stelle IHR euch den Tag eigentlich vor?
  • welche Wünsche hast du?
  • Schenken wir uns überhaupt etwas?
  • Wie schenken sich Geschwister untereinander etwas?
  • Haben die Großeltern eigentlich die Erwartung, dass die Enkel etwas schenken?

Häufig fragen und sprechen wir nicht offen, weil wir niemanden verletzen und enttäuschen wollen. Alleine die Frage könnte ja dazu führen, dass…WAS? Wenn du bei dir bleibst und DEINE Ambivalenz offenlegst, dann kann Vertrauen und Verständnis entstehen. Und vielleicht kannst du dann mit einem großen Seufzer der Erleichterung mehrere vermeintliche Geschenkeanwärter von deiner Liste streichen.

Wenn du nun bald beginnst, deine Liste zu denken oder zu schreiben, dann wünsche ich dir, dass DU DICH auch auf die Liste schreibst. Dass du dir vornimmst, vielleicht jeden Tag ein paar Minuten innezuhalten. Durchzuatmen. Dich einzulassen und dich vorzubereiten und dein Herz zu füllen mit Liebe.

Sei dir gut ❤️

Deine Natalia

PS: Vielleicht wünschst du dir eine Auszeit? Zeit für dich? Dann wünsch dir doch ein “Sei dir gut”-Wochenende. Für Februar gibt es nur noch 5 freie Plätze. HIER findest du alle Infos.

 

 

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