Stark sein – für dein Kind

Es gibt immer wieder Situationen und Momente als Eltern, da muss man stark sein und auch bleiben.  Und das, obwohl unser Herz überquillt vor Mitleid und Verständnis. Es gibt Situationen, da leidet man so mit, dass das Starksein schwerfällt und Kraft kostet. Aber vorneweg: heulen kann man hinterher auch VOR dem Kind. Aber NICHT IN der Situation und vor dem Kind.

Warum? Weil es das Kind verunsichert und es nun mal so ist, dass wir in den Augen der Kinder die Starken sind. Die, die alles hinbekommen (bis sie viel zu schnell merken, dass dem nicht so ist…)

Als meine Tochter das erste Mal im Krankenhaus war, war sie 10 Wochen alt. Ein kleines Würmchen. Sie hatte Rotar-Viren und hing so schlaff in der Kurve, dass sie ein paar Tage dortbleiben musste. Ich war ständig an ihrer Seite. Als ihr Blut aus dem Köpfchen abgenommen werden sollte, fragt mich die Schwester, ob ich draußen warten wolle. Ganz ehrlich: ich habe die Frage nicht verstanden. NATÜRLICH NICHT.

Und da geht es gar nicht darum, ob mir mein Kind leid tut (tut es), ob ich Blut sehen kann (kann ich nicht), ob ich mein Kind dabei im oder auf dem Arm halte (natürlich) oder ob es mir draußen angenehmer wäre (mag sein!). Es geht einzig und allein darum, dass ich mein Kind nicht alleine lasse. Alleine mit seiner Angst, nur weil meine Angst noch größer ist. Nein, ich finde, dass man sich dann wirklich zusammenreißen muss und sollte und dass man stark FÜR DAS KIND sein muss.

Stark sein kostet Kraft

Im Laufe der letzten Jahre, haben mich solche Situation immer total an den Rand meiner Kräfte gebraucht. Stark sein müssen. Vor Narkosen. Vor unangenehmen Elterngesprächen. Vor Klassenfahrten, vor Kita-Tagen… immer wieder. Und das ist so, weil ich als Mutter so tief mit meinen Kindern verbunden bin. Mit meiner Liebe und jeder Zelle ihres Körpers. Wenn es ihnen nicht gut geht, dann macht das was mit mir. Es verunsichert mich. Ich fühle mit. Ich leide mit. Am liebsten möchte ich das Kind retten.

Gestern hatte meine Tochter einen Zahnarzttermin. Ein Milchzahn musste gezogen werden, damit die kieferorthopädische Behandlung im weiteren Verlauf erfolgreich sein kann. Und sie hat so geweint vor Angst. Zu Hause. Auf dem Weg. Im Wartezimmer. Im Behandlungszimmer. Heiße Tränen, die alle im Raum rührten. Mich auch.

Und der Arzt fragt mich: “Was sollen wir machen?” Und mir ist schon klar, dass er mit einem Kind, dass den Mund nicht aufmacht vor Angst keine wirklich günstigen Bedingungen vorfindet.

Verantwortung übernehmen

Am liebsten würde ich ihm antworten: “Danke für Ihre Geduld (sage ich später), aber es hat heute keinen Sinn. Wir gehen.” Aber ich sage: “Es tut mir leid, dass es noch etwas dauert, aber wir bleiben, denn der Zahn muss raus.” Warum? Weil es keine Alternative gibt. Weil das Gehen dazu führt, dass die Angst gesiegt hat. Was lernt mein Kind: “Es ist nicht verlässlich.” Man kann ja über vieles Reden und Diskutieren (“braucht man Socken im Winter?” oder “willst du mit schwarzer oder blauer Tinte schreiben?”) aber manches ist nicht verhandelbar. Wir als Eltern können das miteinander verhandeln. Aber nicht mit oder vor dem Kind. Nicht, wenn die Entscheidung eh schon feststeht und das Verhandeln in Wirklichkeit ein Alibi, ein Überzeugen ist.

Und meine Klarheit tut allen gut. Mein stark sein hilft, dass meiner Tochter, sich entspannen kann. Ich halte ihre Hand. Ich trocken ihre Tränen und warte, bis sie bereit ist. Und dann ist sie es. Und der Arzt macht einen fantastischen Job. Menschlich sowieso, aber auch fachlich.

So oft höre ich von befreundeten Ärzten, dass sie ihren Job nicht machen können, weil die Eltern stören. Und ich möchte wirklich euch Eltern ermutigen, das durchzustehen. Mein Kind ist hat gestern so viel gelernt: sie hat ihre Angst besiegt. Sie hat gemerkt, dass es einen Unterschied macht, wenn man sich auf jemanden verlassen kann. Sie hat gelernt, dass man manches einfach machen muss, weil es einem dient. Sie weiß, dass Heilung erst nach dem Schmerz kommt und der Schmerz zum Leben dazugehört. Sie weiß, dass ihre Eltern Verantwortung übernehmen und ihr da Freiheit und Wahlmöglichkeiten lassen, wo es möglich ist.

Bei der Entscheidung bleiben

Manche Dinge kann ein Kind nicht entscheiden. Da braucht es die Eltern. Für den Zahn haben wir uns entschieden, weil wir wissen, dass es das Beste ist. Für ihre Narbenkorrektur vor einigen Wochen, hat sie sich entschieden und wir haben das unterstützt.

Wir können und sollten unsere Kinder nicht vor schwierigen und schmerzhaften Erfahrungen bewahren wollen. Sie werden sie eh im Laufe ihres Lebens machen. Aber wir können ihnen den Weg bahnen, damit besser umzugehen. Wir können ihnen mitfühlend zur Seite stehen. Verständnisvoll.

Für mich war klar, dass ich in diesen Momenten stark sein kann und werde, weil ich mein Kind nicht alleine lasse. Weil ich an seiner Seite stehe. Mit Wort und Tat. Und dann kann ich auch über meine Angst hinauswachsen.

Und ich über mich auch.

Sei dir gut ❤

Eure Natalia

PS: für alle die von euch, die meinen Blog abonniert haben. Leider musste das Tool wegen der neuen DSGVO runter von der Seite. Im Hintergrund laufen die Vorbereitungen aber auf Hochtouren 🙂 Also: noch ein wenig Geduld und spread the word!
eure Natalia

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