Geh’, wohin dein Herz dich trägt

Vor kurzem habe ich von einem Irrgarten geträumt:  ich renne und renne und finde den Weg nicht hinaus. Irgendwann versuche ich einfach die Grenze zu durchbrechen, hinter der ich den Weg vermute. Es gelingt mir nicht, so dass ich mich hinsetze und heule. Vor Wut und Verzweiflung. Und dann stehe ich irgendwann auf und finde die Treppe zu einer Aussichtsplattform. Und plötzlich habe ich den Überblick. Plötzlich sehe ich den Weg ganz klar. Sehe das, was vorher unmöglich schien.

Genau so eine Aussichtsplattform hatte ich im Sinn, als ich im Sommer über ein “Sei dir gut”-Wochenende nachgedacht hatte. Eine Plattform, auf der ich zu mir kommen. Klarer sehe. Verstehe. Zu- und loslasse. Ein Ort, an dem ich SEIN kann und darf. Ein Ort, an dem ich Hoffnung schöpfen und Ermutigung erfahre. Ein Ort, wo ich von oben auf das Außen sehe, um mein Inneres zu finden. Auch: wiederzufinden.

Und so habe ich im Sommer den Schritt gewagt und zu so einem Wochenende eingeladen. Einem Wochenende Anfang 2018, um sich Auszurichten auf das neue Jahr. Und 14 Frauen haben diesen Schritt gewagt. Und noch viel mehr wollten. Und so hat sich am vergangen Wochenende eine Gruppe von Frauen im Kloster Arenberg getroffen. Und die Vorfreude, Neugierde und Aufregung auf das was kommen wird, war auf beiden Seiten gleich hoch.

Ich habe das letzte halbe Jahr immer wieder überlegt, WIE ich das ganze inhaltlich strukturiere. Wie ich ein gutes Gleichgewicht zwischen Input und Freiheit schaffe. Welche Methoden hilfreich sein könnten. Kurz: ich habe mich immer wieder in die Schuhe der Frauen gestellt und nachgespürt, was gut sein könnte. Und so habe ich im Vorfeld kleine Begrüßungstütchen gemacht. Damit jede sich willkommen fühlt. Weil es nämlich gar nicht so leicht ist, zu fahren und die Familie daheim zu lassen. Sich das zu zugestehen, dass das richtig ist, was ich hier gerade mache. EINFACH.NUR.FÜR.MICH. Gar nicht einfach.

Ich weiß genau wie es ist, aus einem vollen Alltag zu einem Seminar zu fahren: häufig fühlt es sich so an, dass das man im gestreckten Galopp ankommt: man hat das ganze Wochenende schon WOCHEN vorher organisiert. Man hat die Kinder und ihre Bedürfnisse im Blick haben müssen. Man hat vielleicht Listen geschrieben, was wer wann und wo brauchen wird. In welcher Schublade das vorbereitet Geburtstagsgeschenk liegt, wo die Trinkflaschen stehen und welche Hausaufgaben noch gemacht werden sollten. Man hat eingekauft und vielleicht sogar noch geputzt. Wäsche gemacht und IRGENDWANN seinen eigenen Koffer gepackt und ist los. Und man kann sich glücklich schätzen, wenn man die eigene Zahnbürste dabei nicht vergessen hat. Auf alle Fälle geht es mir immer so.

Aus dem Irrgarten ein Labyrinth machen

Als ich über den Ablauf des Wochenendes nachdachte, war mir klar, wir müssen am Freitagabend erstmal das loslassen, was es uns schwer macht überhaupt anzukommen. Vor Ort, aber auch besonders bei uns. Und so hatten die Frauen erstmal Zeit und Raum, um zu malen, um sich irgendwo hinzusetzen, um zu schreiben, um EGAL WAS zu tun, um alles loszulassen und anzukommen,

Auch, um zu weinen. EGAL WARUM. Einfach annehmen und zulassen, was gerade ist. Ohne Bewertung. Einfach nur: bewusst werden und annehmen. Ausrichten auf das, was ist. Und danach hat uns meine Freundin Tina, die ein wunderbarer Mensch und eine großartige Pilates-Lehrerin ist, sehr achtsam in Bewegung und mit einer Schulter-Nacken-Entspannungsstunde in die Nacht gebracht.

Am nächsten Morgen bin ich durch den Klostergarten gelaufen. Ein zauberhafter Ort. Auch im Winter. Ich kann mir die Vielfalt und Farbenpracht lebhaft vorstellen. Und dann treffe ich auf ein Labyrinth.  Und ich folge dem Impuls es zu gehen. Von außen nach innen. Ich folge achtsam jedem Schritt. Ich mache nichts anderes, außer gehen. Und dabei habe ich folgende Worte im Kopf, die ich zu Beginn des Weges auf einem kleinen Schild gelesen habe: “Wird das Leben als Irrgarten betrachtet, ist jeder Fehler zwangsweise ein Umweg und damit zumeist vergeudete Zeit. Wird das Leben hingegen als Labyrinth betrachtet, dann ist jeder Fehler Teil des Weges und damit ein unerlässlicher Lehrmeister.”

Und das trifft genau den Nagel auf den Kopf. Ich wünsche mir, dass die Teilnehmerinnen IHREN Weg am Wochenende gehen. Und darum gibt es keine Erwartungen zu erfüllen. Kein Ziel zu erreichen. Es gilt nur, Raum und Zeit, Sicherheit und Vertrauen zu schaffen, damit dieser Weg in die Mitte und zu sich selbst gelingen kann. DAS ist meine Aufgabe und mein Hauptaugenmerk für meine Arbeit an diesem Wochenende.

Und so macht sich jede auf den Weg. Auch ich. Denn auch ich gehe an diesem Wochenende erste Schritte. Denn ein Wochenende ist etwas GANZ anderes als ein Abendseminar. Oder ein Tagesseminar. Und das habe ich noch nie gemacht. Und ich bin gerührt, wie sich jede auf den Weg macht. In ihrem Tempo. Sich traut, ihrem Herzen zu folgen. Alleine zu essen und die Erfahrung zu machen, wie gut es tut, nicht sprechen zu MÜSSEN. Aber auch, sich mit fremden Frauen an einen Tisch zu setzten und beim Essen IN KONTAKT zu kommen und sich einzulassen. Auf sein Zimmer zu gehen, wenn einem danach ist und nach einem Gespräch zu bitten, wenn man an einen Punkt gekommen ist, den man nicht kommen sah. An dem es scheinbar nicht weitergeht. Und nicht, weil man nicht will, sondern weil man nicht kann.

Weil man spürt: “Hier renn’ ich gegen eine Wand.” Oder auch “Hier kämpfe ich gegen das an, was mir Energie zieht.” Aber auch: “Hier stoße ich gegen mich. Gegen alte Glaubenssätze. Gegen meine Erwartungen an mich selbst. Gegen meine Unsicherheit. Gegen meine Müdigkeit.” Was auch immer… Und vielleicht ist so eine Begrenzung plötzlich der Punkt an dem man merkt: “So will und kann das nicht mehr weitergehen. Hier gehe ich BEWUSST eine neue Richtung. Über diesen Popeye-Moment habe ich mal hier geschrieben.

Häufig brauchen wir genau solche Begrenzungen. Und wir laufen ein paar Mal mit dem Kopf dagegen. Weil wir es nicht wahrhaben wollen. Aber das kann ich von meinem eigenen Weg sagen: häufig kommen wir erst dann in Bewegung, wenn wir an dem Punkt sind, an dem wir keine Hoffnung mehr haben. Hoffnung, dass es sich irgendwie von alleine dreht und ändert. Dann, wenn wir merken, es geht nicht mehr, dann kommen wir in Bewegung. Dann kommt neue Hoffnung, die uns erste Schritte ins Neuland wagen lässt. Dann können wir gehen, wohin uns unser Herz trägt.

Und die Zeit verfliegt. Und wir erleben Gemeinschaft ohne Bewertung.

Ohne Erwartung.

Und das ist FREIHEIT. Und die weckt Sehnsucht nach mehr. (Nach mehr Sauna. Nach mehr Schlaf. Nach mehr Spaziergängen und Offline sein. Nach mehr Bewegung. Nach mehr Tiefe.)

Und weil wir gut zu uns waren, gelingt es auch am Ende, jeder Teilnehmerin Wertschätzung mit auf dem Heimweg zu geben. Denn wenn wir gut bei uns sind und unseren Wert kennen und achten, ist es so viel leichter das GUTE und SCHÖNE in und bei der Anderen zu sehen. Dann kann ich mich mitfreuen. Dann nehme ich war, obwohl es keinen oder wenig Kontakt gab. Dann kann ich stehen lassen. Das, was ich gerne hätte und das, was ich gerne sein würde. Dann kann ich bei mir sein und mich ausstrecken nach MEHR, ohne mich zu vergleichen. Dann warte ich nicht ab, sondern darauf zu.

Wenn ich so weit bin, dann habe ich aus meinem Irrgarten ein Labyrinth gemacht, in dem ICH der Mittelpunkt bin.

Dann bin ich ganz und gar bei mir angekommen. Dann folge ich meinem Herzen.

               

“Das Wochenende war für mich so wunderbar, weil…

  • Ich hatte Zeit und Raum, in mich hineinzuhören und meine Bedürfnisse „aufzuspüren“
  • Ich mich angesichts der Atmosphäre, die durch viele tolle Frauen und vor allem durch deine offene, liebevolle und vertrauenserweckende Art ermöglicht wurde, sehr wohl gefühlt habe
  • Mich die meinem Empfinden nach sehr passende stimmungsvolle bewegende Musik sehr berührt und inspiriert hat
  • deine absolut zielführenden offenen Impulse (und damit meine ich individuell zielführend und nicht starr, einengend) und handhabbaren „Handwerkzeuge“ ganz viel in Bewegung gesetzt haben
  • ich selbständig und aus mir heraus Veränderungswünsche entwickeln konnte und vor allem eine Bewusstwerdung über das, was bereits ist, worüber man sehr glücklich sein kann, angeregt wurde
  • du an vielen praktischen und persönlichen Beispielen (und dafür ganz besonderen Dank!) Anregungen gegeben hast, die auf diese Weise lebendig wurden und mich auf eine ganz besondere Art angeregt haben
  • das Gespräch mit dir für mich sehr klärend war
  • das Kloster an sich eine ganz besondere „Aura“ hat, die zur Einkehr einlädt
  • ich mich in deiner Gegenwart sehr wohl gefühlt habe
  • der Austausch mit den anderen Frauen sehr bereichernd war, Perspektivwechsel ermöglicht wurden und neue Anregungen geben konnte
  • ich mit ganz klaren Anregungen nach Hause fahren konnte, die mir (zumindest bis heute noch;-)) machbar erscheinen.

Anregungen zur Modifikation:

  • gern hätte es ein Tag mehr sein dürfen, um sich selbst nochmal mit den neuen Gedanken mit Muße einrichten zu können

Liebe Natalia, ich danke dir von ganzem Herzen für deine Inspiration! Schade, dass es schon vorbei ist!!!” (Und ICH danke von HERZEN für eure Feedbacks!)

Und so bin ich voller Gedanken und Themen. Und ich freue mich so sehr darauf, dies mit euch zu teilen. Dies in meine Arbeit einfließen zu lassen. Mich klarer zu positionieren und auszurichten.

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Oh Mann! Ein unglaubliches Wochenende mit 15 großartigen Frauen aus ALLEN Himmelsrichtungen liegt hinter mir. Nun finde ich endlich Zeit, dass meine Seele mal hinterher reisen kann. Ich und ein Kaffee in meiner Tasse, die mir meine Tochter zu Weihnachten gemacht hat. Ich bin so dankbar, dass sich diese Frauen auf den Weg gemacht haben. Auf ihren Weg zu und für sich. Und dass sich so unsere Wege gekreuzt haben. Dankbar für ihren Mut. Dankbar für ihre Offenheit. Dankbar für ihr Vertrauen. Dankbar, dass ich mit ihnen auf dem Weg war. Auch zu mir. Dass ich SEIN durfte. Dass sie mit mir ausgehalten haben, dass mir auch nicht alles so gelungen ist, wie ich das dachte. Dass ich von ihnen lernen und wachsen durfte. Dass ich erste Schritte wagen durfte und sie sich eingelassen haben. Ich freue mich diese Woche in Ruhe dazu einen Beitrag zu schreiben. Ich bin reich beschenkt. #ersteschritte #dankbarkeit #seidirgut #frauen #jedereisebeginntmiteinemerstenschritt #mut #sichaufdenwegmachen #neueswagen

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THE BEST IS YET TO COME!

Sei dir gut ❤️

Deine Natalia

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. Anni

    21. Januar 2018 at 20:45

    Hallo Natalia, mich hat dieses Wochenende auch sehr angesprochen; doch habe ich mich nicht getraut, mich anzumelden. In jedem Fall liest es sich wirklich toll! Ich würde mich total freuen, wenn du mal versuchen könntest zu beschreiben, wie dieses in sich reinspüren genau geht. Wie finde ich raus, ob ich alleine oder in Gesellschaft essen möchte, ohne dass mein Kopf pro und Contra Listen macht und eine Entscheidung rückwirkend noch bewerten möchte?
    VG
    Anni.

    1. Natalia

      24. Januar 2018 at 11:51

      Liebe Anni, danke für deine Worte. Du solltest dich beim nächsten Mal auf alle Fälle trauen! Ganz ehrlich: da kann ich dir keine Anweisung oder Anleitung schreiben, was das Wochenende angeht. Das ist einfach die ganze Atmosphäre die das möglich macht. Wenn man plötzlich loslassen darf, dann bewegt sich plötzlich so viel. Ich wage zu behaupten, dass es jeder Teilnehmerin gelungen ist, zu sich zu kommen. Und bei sich zu bleiben. Einfach, weil sie sich das erlauben durften. Und ich bin mir ganz sicher, dass dir das auch gelingt. Vielleicht magst du mal auf dem Beitrag von der Stephie gehen. Sie war als Teilnehmerin mit und hat darüber geschrieben. Herzlichst, Natalia

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