Grüner wird’s nicht!

Ich bin nicht so die “Umwelt-Nudel”. Nicht, weil ich die Natur nicht liebe. Nein, einfach, weil ich zu bequem bin. Und ja, ich weiß, dass DAS gar kein gutes Argument ist. Aber ehrlich ist es. Ich weiß darum, dass es unserer Erde nicht gut geht. Lange Zeit habe ich mein schlechtes Gewissen mit einem monatlichen Beitrag bei Greenpeace, dem konsequenten Trennen von Müll und dem Verzicht innerdeutsch zu fliegen beruhigt. Ich finde tausend Argumente, warum es nicht so einfach ist, nachhaltig im vollen Alltag zu leben:

  • der Kaffee schmeckt mir meistens nicht (stimmt wirklich!
  • die Schokolade schon gar nicht
  • viele faire Klamotten gefallen mir auch nicht
  • viele faire Klamotten sind mir zu teuer
  • wenn das Bahnticket teurer ist, dann fliege ich eben doch
  • extra zum Biometzger zu fahren ist auch Quatsch
  • undsoweiterundsoweiter

Nun hat mich die liebe Alexandra von livelifegreen gefragt, ob ich Lust habe, bei ihrer Blogparade #darumgrüner mitzumachen. Und da ich ja in der “grünen Hauptstadt Europas 2017” wohne (Essen! Richtig gelesen: ESSEN im Ruhrgebiet!) mache ich gerne mit. Warum? Weil ich mich nicht länger aus der Verantwortung raushalten und reden kann und will. Ich weiß sehr wohl, dass auch ein kleiner Tropfen den Stein höhlt und es vor allem auch darauf ankommt, dass ich mir mein Handeln und Tun BEWUSST mache.

Unsere Kinder wollten zum Beispiel unbedingt ein Haustier. Und den Wunsch konnten wir gut verstehen. Aber unserer Familie war klar: WENN wir ein Tier anschaffen, dann nur, wenn wir es so gut wie möglich artgerecht halten können. Und so haben wir uns für drei kleine Kaninchen entschieden. Wir haben in unserem Garten einen großen Bereich abgetrennt, in dem sie rennen und toben und kuscheln und buddeln konnten. Und wir waren immer froh, dass wir es so entschieden haben. Immer wenn wir sie beobachten haben, waren wir erstaunt, wie viel sie sich bewegen. Wie schnell sie sind. Und wie schrecklich ein Leben in einem Stall sein muss. Als sie ihr Leben an den Fuchs verloren haben, war die Trauer groß. Aber die Kinder waren sich einig: besser hätte man als Kaninchen nicht leben können. Und auch der Tod war ein gnädiger. Sie mussten nicht in einem kleinen Stall ein jahrelanges Dasein fristen. Unsere Familie hat viel gelernt über den Kreislauf des Lebens. Und als wir vor zwei Tagen gemeinsam den “König der Löwen” gesehen haben, sagte unsere Tochter gleich: “Das ist so wie bei uns. Die Löwen fressen die Gazellen. Und der Fuchs die Kaninchen.” Und wir haben alle genickt. Und unsere Kaninchen haben uns gelehrt, weniger Fleisch zu essen und dafür bewusst beim Biometzger einzukaufen. Weil wir selbst erfahren haben, was das bedeutet, wenn man artgerecht leben darf. Und das wünschen wir uns ja auch. Artgerecht zu leben.

Ich liebe inzwischen im Garten zu arbeiten. Ich hätte das nie gedacht. Aber es ist die Ruhe, die man dabei hat. Etwas mit den Händen schaffen. Die Erde in der Hand fühlen. Die Feuchtigkeit riechen. Das Olivenbäumchen im Winter warm einpacken und die Blumenzwiebeln rechtzeitig pflanzen. Es ist das Tun, das Aufblühen ermöglicht. Und oh, wie werde ich mich über das erste Erscheinen der Schneeglöckchen freuen. Wie oft bestaune ich schon im Spätherbst die vorbereitete Knospen der Magnolie, die sonst leblos wirkt. Und wieviel uns die Jahreszeiten über uns Menschen verraten: wie ungeduldig wir sind. Wie rastlos. Wie viel können wir uns von der Natur abgucken und lernen. Wie viel von den Jahreszeiten, die sich abwechseln. Die Eine geht nicht ohne die Andere. Ohne Winter. Ohne Ruhephase keine Blüte. Keine Kraft. Ohne Loslassen und Abstoßen der Blätter keine neue Farbenpracht im folgenden Jahr. Licht und Schatten. Ebbe und Flut. Tag und Nacht. Sommer und Winter. Und wir meinen einfach durchmachen zu können. Pausenlos. Aber nichts blüht unendlich. Auch wir nicht.

Und so haben wir auch gelernt, saisonaler einzukaufen und zu kochen. Mit dem was es gibt. Und nicht, mit dem was im Supermarkt alles angeboten wird. Und dadurch ist die Vorfreude auf das, was kommt so viel größer: der Spargel im Mai und die Erdbeeren im Juni.

Und im Sommer die Beeren. Als mein Mann sie pflanzte war ich zuerst dagegen: “BEERENSTRÄUCHER!! Braucht kein Mensch!” Stimmt aber gar nicht. Denn alleine, dass unsere Kinder auf die reifen Früchte hinfiebern. Sie pflücken und kosten und merken, wieviel ARBEIT dahinter steckt ein kleines Schüsselchen zu füllen, ist es wert.

Ich kann den ersten Zwiebelkuchen, Kürbisse und Grünkohl kaum erwarten. Und so leben wir mit mehr Vorfreude auf unsren Tellern. Und ich merke, dass diese ganzen Gedanken umso mehr Wichtigkeit für mich erhalten, je mehr ich mir gut bin. Wenn ich mich wertschätze, dann schätze ich auch anderes Leben mehr wert. Nehme es mehr wahr. Achte es mehr. Mache mir mehr Gedanken um das wieso und warum. Und ich weiß genau, das ist nach oben noch Luft. Aber ich werde dranbleiben. Für mich. Und uns. Für meine Kinder. Und deshalb: #darumgrüner

Danke, Alexandra, dass es Menschen wie dich gibt, die mich an die Hand nehmen. Die mir zeigen, wie die kleinen Schritte aussehen können. Die mir Inspiration ohne erhobenen Zeigefinger sind. Die mir die Freiheit lassen, aber mir meine Verantwortung aufzeigen.

Das ist mir im letzten Jahr mit dem Bloggen wirklich bewusst geworden: wie viele Menschen in ihrem Bereich einen Unterschied machen. Für die Welt. Jeder auf seine Weise. In seinem Bereich. Ein Licht sein, damit Licht ins Dunkel kommt. Ach, alleine deswegen, bin ich froh, mit dabei zu sein.

Sei dir gut ❤️

 

4 Kommentare

  1. Alex von livelifegreen

    5. Januar 2018 at 14:48

    Liebe Natalia,
    Ich freue mich SO SEHR, dass du dabei bist 😀!
    Fühl dich fest gedrückt 😍.
    Alles Liebe
    Deine Alex

    1. Natalia

      9. Januar 2018 at 12:11

      Ich freue mich auch, liebe Alex! DANKE. Schau mal, was die Susanne geschrieben hat! DAS ist ja mal nen Beitrag wert!

  2. Susanne

    8. Januar 2018 at 14:50

    Was mir geholfen hat einen Durchblick zu bekommen um etwas umweltbewusster einzukaufen ist die App Codecheck. Strichcode scannen und bedenkliche und unbedenkliche Inhaltsstoffe werden angezeigt. Besonders empfehlenswert bei Kosmetika und ín meinem Bereich auch bei Lebensmitteln.Aber die Welt komplett retten, das kann ich nicht. Wenn allerdings mehrere kleine Schritte tun, dann geht es vorwärts.

    1. Natalia

      9. Januar 2018 at 12:10

      GROßARTIGER Hinweis, liebe Susanne! Das probiere ich unbedingt mal aus!

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