Holding the tension

Ready to take off.

Immer wieder: Holding the tension. 

Es ist Dienstagabend und ich sitze auf dem Sofa. Es ist still und ich genieße diese Zeit für mich. Alle sind im Bett. Müde oder krank. Und ich sitze hier. Ein kalter Sommerabend im Juli. Und ich denke: “Ist doch alles für’n Arsch.” 

Ich frage mich, ob man oder vielmehr ICH (!?) das schreiben kann oder ob ich überhaupt einen Text so nennen darf: “Alles für’n Arsch”? – Ich verwerfe diesen Gedanken schnell wieder.  Im Februar habe ich in der Berliner U-Bahn eine Rede gehalten, getanzt und bei einem kollektiven Lachanfall mitgemacht. Es war eine Aufgabe, die wir im Team machen mussten. Ganz ehrlich: Es mir seitdem fast egal, was Andere denken. Naja, nicht ganz. Ich würde eher sagen: ENDLICH in einem gesunden Maß: EGAL.

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Ich lese gerade das beeindruckende Buch von @michelleobama #becoming. Zu Beginn des Buches beschreibt sie eindrücklich, wie sie das erste Mal alleine in ihrem neuen Haus ist. Ohne Sicherheitskräfte und Köche. Ohne sich erklären zu müssen wohin sie gerade will. Diese neue Freiheit, ein Fenster zu öffnen, weil man das gerade möchte. Mehr nicht. Ein Fenster. Und beim Lesen spüre ich diese große #wahrheit und #dankbarkeit: ich bin frei. So viel freier, als ich es manchmal denke oder fühle. Gestern hatte ich in Berlin noch Zeit, weil ich mir die Freiheit genommen habe, eine Veranstaltung früher zu verlassen. Und das war gar nicht leicht. „Kann man das wirklich machen?“. „Was denken die Anderen?“. „Du hast dafür Geld gezahlt und bist extra angereist!“. Und dann habe ich mich auf meine Füße gestellt, in mich gespürt und gefühlt: „Das Eine ist nicht eine Entscheidung gegen das Andere. Es ist vielmehr so, dass ich die Wahl habe.“ Ich spürte, dass ich alles das, was ich erhofft und erwartet hatte schon bekommen habe und es mir jetzt gut tut, für mich zu sein. Um zu verarbeiten und zu verstehen, was ich in den beiden Tagen lernen und verstehen durfte. Und dann bin ich gegangen. Einfach so. Mit großer Freude und Dankbarkeit darüber, dass ich frei bin. #seidirgut #mut #gedankentanken #frei #dubistfreieralsdudenkst #innererfrieden #zufriedenheit #loslassen #liebedichselbst #persönlichkeitsentwicklung #fülle #everyvisionhasapricetag #berlin

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Out of the box

Seit November bin ich jeden Monat in Berlin. Dort besuche ich zusammen mit meiner Freundin Blondie die Entrepreneurship Masterclass. Ich kann mit absoluter Überzeugung sagen,  dass dies eine großartige Erfahrung ist: Jeden Monat gibt es Erkenntnisse und Herausforderungen zu bewältigen. Das bedeutet auch: Alles neu denken und alles zu verwerfen, was ich bisher als “normal” oder “üblich” empfand-. Es geht um eigene Ideen, Potentiale und darum, Ökonomie neu zu denken.

Manchmal ist man plötzlich in einer englischsprachigen Gruppe. Mit einem Coach aus Brasilien und einem aus China. Aufgabe: “Re-design first aid” und das kann auch bedeuten, dass man auf der Straße wildfremde Menschen interviewt, Prototypen erstellt und testet. Alles WEIT außerhalb der eigenen Box und Komfortzone. Auf alle Fälle aus meiner.

Ich teile gerne drei Fragen, die immer vorkommen: 

  1. Wer bin ich?
  2. Was kann ich?
  3. Was will ich wirklich WIRKLICH?

Was das Ganze ergänzt: Offen zu bleiben! Das bedeutet, dass ich mich nicht zu sehr in meine Anfangsidee verliebe, sondern offen bin, dass ich am Ende – möglicherweise – ganz woanders rauskommt, als gedacht. Ach, ich gerate ins Schwärmen! Es ist Potential- und Persönlichkeitsentwicklung at it’s best!

„Wir haben die Chance, eine bessere Welt zu bauen. Liebevoller, witziger, feinfühliger und künstlerischer, als es je zuvor möglich gewesen ist. Aber wir müssen selbst in den Ring steigen, es selbst in Gang bringen, es selbst unternehmen. Es nicht den bloßen Gewinnmaximierern überlassen.“

Prof. Dr. Faltin
Obwohl ich der Meinung war, dass “Mathe ein Arschloch ist” hat Prof. Sven Ripsas mich im Juni absolut überzeugt, dass das Arbeiten mit Zahlen nicht ganz unwichtig ist. Ein großartiger Workshop im “Start up Inkubator” der HWR Berlin. Präsentation meiner Gruppe (Memo: Sketchnotes muss noch auf meine bucket list)

Es ist ein absolutes Privileg diese Masterclass mit meiner Freundin zusammen zu machen. Jeden Mittwoch haben wir uns den Vormittag reserviert. Arbeiten an den zugehörigen Online-Modulen und Kursen, tauschen uns aus und fordern uns heraus, dranzubleiben. 

Jede Fahrt nach Berlin eine große Bereicherung und und ich komme immer erfüllt zurück. 

Mit meinem “Monkey” in der “Monkeybar”

Dankbar bin ich dafür, dass ich wunderbare Menschen treffe, wenn es zeitlich passt:

“Und sonst so?”

…wird mir nicht langweilig. Ich liebe meine Arbeit, meine Freiheit und das Leben mit unsere Familie. Es ist ein Privileg und Geschenk diese drei Schätze in unserem Leben zu haben. Die Kinder wachsen zu sehen und zu spüren: drei wunderbare Persönlichkeiten, denen wir Wurzeln geben und Flügel schenken dürfen: 

Ende dieser Woche enden für unsere Familie elf Jahre Kindergarten. Elf Jahre, die für die Kinder für einige Zeit ihres Lebens ein geborgener und sicherer Ort waren. Wir sind  dankbar dafür, dass sie dort behütet wachsen durften. Jeden Tag ziehe ich vor den Erzieherinnen meinen Hut. Es ist mir schwer um’s Herz, dass dieser Abschied das Ende eines großen Abschnitts in unserem Leben ist. Und doch spüre ich absolute Vorfreude.

Holding the tension

…und sich ausrichten auf die Zukunft. Mit der absoluten Gewissheit: the best is yet to come! Ich bin dankbar, dass unsere Kinder jeden Tag erleben, dass jeder sich verändern und weiterentwickeln kann. Dass alles im Fluss ist und häufig anders kommt als gedacht und geplant. Auch, dass Streit nicht das Ende, sondern die Voraussetzung für Versöhnung sein kann. Zu erleben, dass es nicht immer “happy clappy” ist, aber wir die Wahl haben, worauf wir uns Ausrichten: Auf den Mangel, oder auf die Fülle.

“Stop buying your kids what you never had and start teaching them what you never knew.”

Myleik Teele
Zweimal “Bären” – Kinder und ein “Tigerenten” – Kind. So schön, dass die Kinder “ihr” Geschirr mitnehmen durften. Es ist ein wohlgehüteter Schatz. Identität und Heimat.

Und immer wieder: die Spannung aushalten. Zwischen dem, was uns gut tut und wir brauchen und dem ganz normalem Alltagswahnsinn. Zwischen dem Wunsch Freunde zu treffen und dem Bedürfnis nach Ruhe und Zweisamkeit. Zwischen Erwartungen von außen und realistischen Möglichkeiten. Zwischen “kann man das machen?” und “wir müssen gut für uns sorgen, dass jeder für sich gesund und glücklich ist und somit wir ein gesundes “WIR”. Immer wieder: Holding the tension. 

On my way

Ich bin dankbar, dass Leben Veränderung heißt. Ich durfte in diesem Jahr viele neue Schritte gehen und neues lernen. In Echtzeit und bei Onlinekursen. Ich merke, dass sich lose Enden zusammenfügen und das ist ein gutes Gefühl. Zu merken: alles macht Sinn.  Ich bin dankbar, dass ich mich immer wieder neu um meine Themen kümmere. Ich bin davon überzeugt, dass mich das an Tiefe und Weiter reifer und freier macht. Es ist im höchsten Maße spannend, sich selbst bewusst zu werden.

Morgen kommt ein neuer Himmel

Inzwischen ist es weit nach Mitternacht. Ein gutes Gefühl macht sich in meinem Herzen breit: Zufriedenheit. Zufriedenheit darüber, dass selbst dieser Tag so gut endet. Und so teile ich mit euch ein paar Worte, die ich diese Woche auf Facebook geteilt habe und die mir viel bedeuten:

“Ich sitze mit einer Decke auf der Terrasse. Es ist kühl geworden. 
Die letzten Flugzeuge werden noch vor der Nacht vom Himmel geholt. 
Nachbarn reden und lachen. 
Ich sitze und lasse die Woche vorbeiziehen. 
Eine volle letzte Schulwoche der Kinder. 
Ich habe Frikadellen hierhin und Kuchen dorthin geliefert. 
Hab meine Eltern getroffen und meinen Vater sehr umarmt, als er sagte, dass ihn in diesem Jahr der Tod seines Sohnes nochmal anders berührt hat. 
„Jeder Todestag ist Geschenk. Erinnerung. Im Schmerz ist da aber auch Nähe“, sagt er. 
„Mein Bursche“, sagt er. 
33 Jahre später. 
Und meine Mutter drückt seine Hand und ich schaue auf den See. 
In Erinnerung an schwere und dunkle Zeiten in meinem Leben. Und doch: 
Dankbar für diesen Moment und die Fülle in meinem und unserem Leben. 
Dann hatte ich noch einen Verkehrsunfall. Mein Erster. 
Ich bin ganz ruhig. 
Es war nicht meine Schuld. Kann man überhaupt von Schuld sprechen? 
Wenn der Andere erzählt, wie sein Tag war. Bis die Polizei kommt. Und ich mehr Mitgefühl als Ärger fühle. 
Nur Blech. Zum Glück. 
Und nun sitze ich hier. 
Mein Mann kommt grade erst heim. 
Mal sehen, wie lange er bleiben kann. 
Bis zum nächsten Einsatz. Dann, wenn es meistens um Leben und Tod geht. 
Leben passiert. 
Ist wild und gefährlich. 
Jeder Tag ein neues Geschenk und jede Nacht eine Chance auf Vergebung und Versöhnung. 
Leben wird nicht leichter durch die rosarote Brille und nicht besser in schwarz-weiß. 
Es gibt Tage, die kosten einen viel und andere, die leicht sind. 
Annehmen. 
Wahrnehmen. 
Feiern. 
Trauern. 
Und immer wieder: Spüren:
„Ich bin ein Geschenk für die Welt. Weil ich bin. 
Das reicht schon, Liebe, das reicht schon.“

Sei dir gut.

Dienstag, 13. Juli 2019

Eure Natalia

PS: Ich freue mich auf ein tolles Retreat in der Schweiz. HIER alle Infos für dich.

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