Vatertag

Heute ist Vatertag. Die Idee jemandem “Danke” zu sagen und Wertschätzung zu schenken, finde ich gut. Manchmal fühlt sich es so an, als ob der Vater- oder Muttertag eine Sache zwischen Kindern und Eltern ist. Und dann auch noch hierarchisch: Nämlich vom Kind zu den Eltern. Wir haben im Laufe der Jahre unglaublich viele nette Brieflein und Basteleien von unseren Kindern bekommen. Nicht, dass wir das nicht schön fänden oder uns darüber gefreut hätten, aber ERWARTET haben wir sie garantiert nicht. Da freuen wir uns viel mehr über die alltägliche Dankbarkeit: der Kuchen aus Sand, ein “Das schmeckt lecker” oder die kleinen Arme, die einen liebevoll umschlingen.

Von oben nach unten

Ich glaube, dass Elternliebe ein Fluss ist, der von den Eltern in die Kinder über- und weiterfließt bis in die nächste Generation. Ich hoffe auf ein gutes Miteinander wenn meine Kinder älter sind und werde alles dafür tun, aber ich kann nicht erwarten, dass meine Kinder mir dafür etwas zurück geben werden. Ich hoffe, dass unsere Liebe wie Samenkörner in ihnen aufgehen und sie das, was für sie wertvoll ist, weiter schenken. Vielleicht an ihre Kinder. Ganz sicher aber an die Menschen um sie herum. Und wenn sie sich von uns geliebt, gesehen, unterstützt und verstanden gefühlt haben, haben all das gemacht, was uns möglich war. Wenn wir das Beste aus ihnen heraus geliebt haben, haben wir Eltern alles gemacht, was wir tun konnten. Dann sind wir reich beschenkt. Ich habe keine Erwartung des Dankes an meine Kinder. Aber einige an mich.

Ich für dich

Wie ich mich dem Vater meiner Kinder gegenüber verhalte hat mehr Gewicht, als ich vielleicht meine. Es wird Einfluss darauf haben, wie die Kinder ihren Vater sehen. Als Deppen oder als Helden. Und da muss ich mir an die eigene Nase packen und innehalten. Was kommentiere ich vor den Kindern? Wo verdrehe ich die Augen? Wo rutscht mir ein “war ja klar” raus? Wo sehe ich in meinem Alltag nur, wie die Kinder sich auf den Helden stürzen ? Und ich, gefühlt, nur für das Grobe zuständig bin? Was ist mein Anteil? Wo unterstütze ich Zeiten, in denen die Kinder alleine Zeit mit ihrem Vater haben?

Wenn ich früher alleine wegfuhr, habe ich vorher eine akribische Liste geschrieben und eingekauft. Ganz ehrlich, so richtig habe ich meinem Mann nicht zugetraut, dass er es eben so macht und schafft WIE ICH! Kann er ja auch gar nicht. Heute gibt es eine kurze Liste mit “Wer? Wann? W0?” und ich frage nach, ob ich was einkaufen soll. Um zu entlasten, aus freien Stücken und nicht aus Verpflichtung.

Wenn ich zurückkomme, habe ich heute nicht mehr die Erwartung, dass es hier aufgeräumt und die Wäsche gemacht ist. Früher habe ich mich darüber sehr aufgeregt. “War klar…! Einfach eine gute Zeit haben mit den Kindern, das könnte ich auch, wenn ich nicht noch das und das und das machen müsste…”

Falsch. Ich habe diese Erwartung nicht mehr an meinen Mann, weil ich sie auch NICHT MEHR AN MICH HABE, wenn ich alleine mit den Kindern bin. Wenn meine Kinder eine gute Zeit mit ihrem Vater hatten, ist das doch das größte Geschenk. Dann war es ein super Vatertag.

Der Vater meiner Kinder…

hat es gar nicht immer so leicht, wie ich meine. Viel zu oft sehe ich den schwarzen Fleck auf dem weißen Blatt. Macht mein Anspruch es uns und mir schwer. Würde ich mir mehr Leichtigkeit wünschen. Mehr verrückte Ideen.

Ich bin dankbar, dass er mit den Kindern im Wald eine Salatarie macht – weil ich gar nicht auf die Idee käme. Ich bin froh, dass er mit unserem Sohn im Keller eine kleine Werkstatt eingerichtet hat- weil unser Kind sehr kreativ ist. Ich freue mich über jeden Anruf aus dem Auto: “Brauchen wir noch Brot oder sonst was?” Dankbar bin ich  über jeden Fahrradsattel, den er höher stellt und jede Wand, die er streicht. Ich bin dankbar, wenn er mit unserer Tochter geduldig Mathe übt, wo ich schon nach zehn Sekunden die Geduld verliere. Bin ich dankbar darüber, dass er seine Freunde trifft und sich Zeiten für sich nimmt. Zum Sport geht und gerne liest. Wenn er mich in den Arm nimmt und nach einem Streit seinen Anteil eingesteht, was mir meistens schwerer fällt. Es berührt mich, er mich als seine Frau liebevoll anschaut und mir Komplimente macht, nach all den Jahren, auch wenn ich sie nur schwer annehmen kann.

Vorbild sein

Indem mein Mann das alles tut, ist er das beste Vorbild, der beste Vater, den ich mir wünschen kann. Wenn ein Mann spürt, dass er stark ist, wenn er sich verletzlich macht, wenn er von sich erzählt und keinem Ideal von außen entsprechen muss, dann wird er für mich zum Helden. Wenn ein Mann seinen Wert nicht alleine aus der Leistung zieht, die er erbringt, sondern sich seiner Talente bewusst ist, dann können wir Frauen uns glücklich schätzen. Wenn ein Mann sich aufmacht und neue Wege geht um mehr zu sich zu finden, dann ist das ein großer Schatz im Leben der Kinder. Und für uns auch. Auch, wenn das im Alltag manchmal ordentlichen Reibungsverlust auf beiden Seiten bedeutet.

 

Heute ist Vatertag. Vielleicht schaust du als Frau auf die guten Seiten des Vaters deiner Kinder. Egal, was ist oder war.

  • Kann er Teil einer Lösung sein, oder ist er  Gegner?
  • Was macht ihn aus?
  • Was siehst du noch?

Und wenn du an deinen Vater denkst? Kannst du über das hinaus sehen, was war und wertschätzen, was auch ist?

Darin will ich Vorbild sein. Für mich. Als Frau. Als Mutter und als Tochter.

Sei dir gut ❤

Deine Natalia

 

  1. YS

    10. Mai 2018 at 15:46

    … und genau deshalb verbringt mein Mann seit gestern bis einschließlich Muttertag eine hoffentlich wunderschöne Zeit mit den Kindern. Und ich? Vermisse alle 3 unendlich, aber kann die Zeit alleine hier in vollen Zügen genießen. Was eine steile Lernkurve. Danke, Natalia für deine Impulse.

    1. Natalia

      10. Mai 2018 at 21:51

      Das hört sich wunderbar an. Wie toll, dass dein mann mit den Kindern unterwegs ist! So wertvoll für die drei. Und auch für dich! Und du wirst merken, morgen wirst du sie auch sehr vermissen, aber DU wirst immer mehr Raum einnehmen können und zu dir finden. Genieße diese Zeit un danke für deine Worte.

      1. YS

        11. Mai 2018 at 19:02

        Ja, es ist ein Geschenk.Bin stolz auf uns Vier, dass wir dieses Experiment gerade wagen.

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