Wie du deine Ziele garantiert erreichst

“Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch.”

Ich werde immer wieder gefragt, wie man seine Ziele erreichen kann und welche Methoden es dafür gibt. Nun, das ist gar nicht immer so einfach zu beantworten, denn wenn wir unsere Ziele NICHT erreichen dann hat das häufig damit zu tun, dass

  • wir nicht diszipliniert genug sind
  • wir zu bequem sind
  • wir das Ziel aus den Augen verlieren
  • es seine Wichtigkeit verliert
  • wir keinen Plan haben.

Ertappt? Me, too! Und häufig sind wir ja schon in den ersten Wochen des Jahres frustriert, wenn wir unser selbstauferlegtes Sportprogramm, die Smoothie-Woche oder “einen Tag ohne Zucker” nicht schaffen. Und das, obwohl WIR das Ziel selbst ausgewählt haben. Da könnte man doch meinen, dass es einem auch wert und wichtig genug wäre, es zu erreichen. Doch die Ausreden und das Sofa sind uns meist lieber, als uns gefühlt: zu quälen. Und wenn wir uns quälen müssen, dann hören wir lieber auf.  Da kann man sich ja vorstellen, wie es einem mit Zielen geht, die man erfüllen muss… Und ich bin mir sicher, dass wir eines alle kennen: aufschieben. Die Steuererklärung (nachvollziehbar), der Vortrag (riskant), ein wichtiges Gespräch (fahrlässig). Been there, done that. Und ich bin ganz ehrlich: wenn ich dann ein Ziel NICHT erreicht habe (Zuckerverzicht…), dann bin ich frustriert (am meisten über mich) und habe wenig Motivation das Ganze noch einmal diszipliniert anzugehen. Ich habe mich daher immer wieder gefragt:

Ziele erreichen, aber WIE?

Die ANTWORT auf diese Frage habe ich vor ein paar Jahren bei einem großartigen Vortrag bekommen. Der amerikanischen Unternehmensberater Jim Collins untersuchte in den Jahren nach dem 11. September,  warum einige Firmen diese unsicheren und turbulenten Jahre unbeschadet überstanden hatten. Mehr noch, die sogar noch erfolgreicher waren als vorher. Und warum andere, die genau das gleiche Business inhaltlich bedienten, scheiterten. Der Vortrag lautete: “How to manage through Chaos”  – wie überlebt man schwierigen Zeiten. Exemplarisch erläuterte Collins dies anhand der Polarexpedition zum Südpol 1911. Die beiden Polarforscher Scott, einem Briten, sowie Amundsen, einem Norweger, machten sich mit ihren Teams quasi Zeitgleich, im Oktober 1911, auf den Weg um als jeweils Erster den Fuß auf den Südpol zu setzen. Beide hatten das gleiche Ziel. Die gleiche Vision. Und obwohl beide die gleichen Wetter- und Rahmenbedingungen hatten, erreichte das Team Amundsen den Pol zuerst. Und nicht nur das: sie überlebten auch die Expedition beinah unbeschadet – während das gesamte Team um Scott starb. Nur 18km vom rettenden Basislager fand man Scotts erfrorenen Körper. Wie konnte es passieren, das beide das gleiche Ziel hatten, aber nur einer es erreichte?

Roland Amundsen am 14. Dezember 1911

Da die äußeren Bedingungen für beide gleich waren, musste es also einen anderen Grund geben, der für das Scheitern, bzw. den Erfolg verantwortlich war. Und er lag – ÜBERRASCHUNG –  bei den beiden Leitern der Expedition selbst. Amundsen bereitete sich beispielsweise akribisch vor. Er legte zahlreiche Nahrungs- und Ausrüstungsdepots an und erkundete genau die Umgebung. Er entschied sich für Schlitten, die von insgesamt 116 Schlittenhunden gezogen wurden. Scott dagegen empfand Hunde als “unbritisch” und bevorzugte Ponys und Motorschlitten. Leider waren weder die Ponys noch die Motoren der Kälte gewachsen. Und so stapfte Scotts Team bei -23Grad falsch ausgerüstet durch den Schnee. Nochmal: Ziele erreichen, wie?

Durch Planung!

Das war meine ERSTE wichtige Erkenntnis: man verändert oder ändert Situationen, Dinge und sich selbst nicht einfach so. Egal, welche Entscheidungen und Veränderungen  du bei anderen siehst, sei gewiss: passiert niemals über Nacht. Bevor jemand damit in die “Öffentlichkeit” geht, wurde schon viel gedacht und abgewogen, mit vertrauten Personen besprochen und immer wieder nachgespürt und überlegt. Vielleicht tage- und monatelang. Vielleicht aber auch Jahre. Und das macht, wenn man sich über Nachhaltig- und Langfristigkeit Gedanken macht, auch absoluten Sinn. Lass’ dich also nicht verunsichern, wenn du “es immer noch nicht gewagt hast.” Der Zeitpunkt kommt, wenn er für dich richtig ist. Und bereite dich darauf vor. Und nein, das heißt nicht, dass es nicht auch Entscheidungen aus dem Bauch herausgeben darf und soll. Aber meine Erfahrung ist: die wirklich wichtigen und großen Dinge brauchen Zeit und Vorbereitung und Struktur.

 

Weiter geht es am Südpol. Neben allen Vorbereitungen und Überlegungen machte Amundsen aber EINE Sache ganz ganz anders: er wies sein Team an nicht mehr als 15-20 Meilen am Tag zu gehen. 20 Meilen. Egal, wie gut das Wetter war. Egal wie fit und motiviert sein Team war. Er wusste, dass er sein Ziel nur dann erreichen, und sein Team nur dann gesund und wohlbehalten wieder zurückbringen würde, wenn er dafür sorgte, dass sie ausreichende Ruhephasen hatten und sich nicht von äußeren Umständen ablenken und beeinflussen lassen würden. DAS war meine zweite Erkenntnis: 20 Meilen. Jeden Tag. Nicht mehr und nicht weniger. Es liest sich unglaublich spannend, wenn man die Tagebuchaufzeichnungen der beiden Forscher miteinander vergleicht. An den Tag wurden beide Teams von einem Schneesturm heimgesucht. Bei Scott steht: “I doubt if any party could travel in such weather.” (“Ich bezweifle, dass irgendjemand bei diesem Wetter reist.”) Bei Amundsen steht: “It has been an unpleasant day – storm, drift, and frostige, but we have advanced 13 miles closer to our Goal “ (Es war ein ungemütlicher Tag – Sturm, Verwehungen und Frostbeulen, aber wir haben uns unserem Ziel 13 Meilen angenähert.”) Verrückt, oder? Die gleichen Umstände. Das gleiche Ziel. Und eine VÖLLIG unterschiedliche Herangehensweise. Ist das Glas halb voll? Oder halb leer? DAS ist viel mehr als nur ein Gemütszustand. Es ist viel mehr eine Lebenseinstellung. Und so hat mir diese spannende Geschichte geholfen FOLGENDES zu verstehen: wenn ich langfristig etwas verändern will, dann muss ich jeden Tag meine 20 Meilen gehen. Und ich treffe die Entscheidung BEVOR es losgeht.

 

In einem Jahr waren meine 2o Meilen schlicht und einfach: Bücher lesen. Ich habe jeden Tag ein Kapitel gelesen und insgesamt in dem Jahr so viele Bücher wie noch nie zuvor. Und auch nie wieder danach. Ein anderes Mal war mein Ziel, dreimal die Woche Joggen zu gehen. Und ich habe es gemacht. Ich habe nicht jeden Tag auf’s Neue überlegt. Nicht in frage gestellt und schon gar nicht: immer wieder neu entschieden. Ich habe es einfach gemacht. Und dabei habe ich etwas sehr Wichtiges gelernt: um Ziele zu erreichen braucht es Kontinuität.  Denn der Weg ist zu schwer und die äußeren Umstände im Alltag mit Job und Kindern gleichen oftmals den Bedingungen der Antarktis. Wenn auch meistens wärmer. Es gibt aber 20 Meilen, die muss ich einhalten, wenn ich zufrieden und glücklich sein will: ausreichend Schlaf. Regelmäßig Sport. Zeit für die schönen Dinge des Lebens. Zeit mit den mir wichtigen Menschen. Und wenn ich diese Meilen nicht gehe, dann werde ich meine Ruhephasen nicht einhalten und mich von äußeren Umständen ablenken lassen. Und so wurden meine 20 Meilen zu “Sei dir gut”.

Wenn du deine 20 Meilen gehst wirst du merken, dass sich langfristig etwas verändert und du deine Ziele erreichen wirst. Es dauert länger, aber es ist auch wesentlich kräfteschonender. Es ist vielleicht nicht sofort sichtbar. Aber du wirst Veränderung spüren. Und nicht nur du. Auch dein Umfeld.Bereite dich gut vor für deine Reise. Und dann geh! Du wirst es schaffen. Schritt für Schritt. Bleib bei dir. Vergleich dich nicht mit den Wegen und dem Sein der Anderen. Gute Reise! Für welche 20 Meilen entscheidest du dich?

Sei dir gut ❤

Deine Natalia

4 Kommentare

  1. 929patricia

    3. März 2018 at 14:24

    Hach – es gibt ja nichts, was mir schwerer fällt, als konsequent jeden Tag 20 Schritte zu gehen! (Vermutlich hätte ich deshalb auch eher zum Scott Team gehört! 😬 ). Zum Glück habe ich zumindest eine recht konkrete Vorstellung davon, was mich glücklich macht und bin diesbezüglich konsequent – sonst hätte ich ein Problem. 😉 Ein spannendes Thema!

    Liebe Grüße,
    Patricia

    1. Natalia

      5. März 2018 at 11:05

      Wie gut, dass du weißt, was du brauchst und fühlst. DAS ist ja schon mal total hilfreich, wenn es um Umsetzung geht. Ich finde den Vergleich der beiden Expeditionen unglaublich spannend. Denn daran kann man ja auch viel ablesen, wie man selbst so unterwegs ist. Und in manchen Bereichen ist es ja einfach ungemein hilfreich, wenn man dranbleibt. Ich bin ja auch gerne spontan, aber mir hilft das ungemein, bei der Stange zu bleiben.

  2. Svenja

    5. März 2018 at 5:31

    Herrlich. Genau so schaffe ich alles was ich will – und ab jetzt werde ich dabei häufig an Dich und Deine 20 Meilen denken. Danke für diesen Text Natalia. Ich liebe diese kleinen, verdaubaren Einsichtern von Dir sehr. Svenja

    1. Natalia

      5. März 2018 at 11:03

      Liebe Svenja, oh, wie mich das freut, dass wir gemeinsam 20 Meilen gehen. Mir hilft es immer, wenn ich an ein Bild andocken kann. Das fällt mir dann immer leichter, dabei zu bleiben. Danke für deine Worte.

Kommentar verfassen