Gleichgewicht

Eines mal vorneweg: Menschen. Sind. Unterschiedlich. Wir sehen unterschiedlich aus. Sind unterschiedlich belastbar und haben ein unterschiedliches Temperament.

Es macht daher nur wenig Sinn, dass wir uns vergleichen. Wenn wir uns vergleichen, dann sind wir nicht bei uns. Dann sind wir beim Anderen. Und wenn du immer auf der einen Seite der Waagschale bist, dann kann sie nie ins Gleichgewicht kommen. Wir alle kennen das Gefühl “aus dem Gleichgewicht zu sein.” Und das zieht Energie. Und manchmal verstehen wir gar nicht, WAS uns da etwas zieht. Es liegt verborgen in uns.

Warum und wieso wir aus dem Gleichgewicht geraten, hat unterschiedliche Gründe. Dabei gibt es beeinflussbare sowie unbeeinflussbare Faktoren, die Auswirkungen auf unser Leben haben. Wenn in unserem Leben etwas in Bewegung gerät – egal ob positiv oder negativ- das hat das Auswirkungen auf uns. Auf unser Gleichgewicht.  Ich vergleiche das Leben ja gerne mit einem Mobile. Es gibt Zeiten, da schwebt es scheinbar mühelos über den Dingen. Aber manchmal reicht ein leicht geöffnetes Fenster, ein Luftstoß nur, der es in Bewegung bringt. Und dann braucht es einige Zeit, bis es sich wieder eingependelt hat. Bis es wieder im Gleichgewicht ist.

Mich annehmen

Im Zusammenhang mit dem Film “Embracehat sich bei mir auch nochmal einiges in Bewegung gesetzt. Und zwar deshalb: ich habe in den letzten Wochen ganz bewusst abgenommen. Es war ein langer Wunsch, der gerade bei einigen Frauen, auf absolutes Unverständnis gestoßen ist. Daher habe ich mich gar nicht getraut es zu erzählen, obwohl ich mir Unterstützung und Anfeuerung an der Wegstrecke durchaus gewünscht hätte. “Wieso das denn?” oder “Das hast du doch gar nicht nötig” waren einige Reaktionen. “Das hätte ich von dir aber nicht gedacht…” Dabei ging und geht es doch gar nicht darum, ob “ich es nötig hätte”, sondern einzig und allein darum, dass ich das wollte. Und zwar NICHT, um einem Ideal zu entsprechen, sondern um endlich, nach vielen Jahren wieder mein inneres Gleichgewicht zu bekommen. Es war einzig und allein meine Idee, weil ich gemerkt habe, dass dieses “sich nicht wohl in meiner Haut fühlen” für mich ein Energiekiller ist.

Gleich-Gewicht

Ich habe in allen drei Schwangerschaften 25 KG zugenommen. Einfach so. Ungerecht. Unterschiedlich verteilt. Gefühlt: ich bin Opfer meiner Umstände. Und in diesem Fall stimmte das sogar! Da hilft kein Vergleichen. Meine Zwillingsschwester hat in ihren drei Schwangerschaften unter so brutalen Erbrechen gelitten, dass sie nach der Entbindung immer leichter und dünner war als vorher. Aber ganz ehrlich: wäre hier ein Vergleich angebracht? Natürlich nicht! Denn während es mir blendend ging, ging es der Ärmsten hundeelend. Und ja, danach war ich manchmal schon neidisch. Aber da habe ich auch echt einen an der Waffel gehabt, denn TAUSCHEN, nein DAS hätte ich nicht gewollt. Ich wollte mich endlich wieder wohl in meiner Haut fühlen.

Nein, ich wollte nicht abnehmen, weil ich mich zu dick fand. Auch nicht, weil ich mich nicht schön fand. Sondern nur, weil ich endlich mal wieder im Gleichgewicht sein wollte.

Ich habe mir dieses Geschenk gemacht. Und viel über mich gelernt. Was ungemein spannende Erkenntnisse während dieser Wochen war:

  • ich esse, um mich zu belohnen
  • ich esse, um meinen Schmerz zu betäuben (also irgendein Loch in mir zu füllen)
  • ich esse einfach total gerne
  • ich kann komplett auf Zucker verzichten
  • ich kann extrem diszipliniert sein
  • ich kann etwas durchhalten

Woran ich gemerkt habe, dass ich einen Mangel mit Essen ausfülle? Weil mein Essverhalten gar nichts mit dem aller-aller-wichtigsten zu tun hatte.

Genuss

Ich liebe Essen. Schon immer. Ich liebe es schön zu kochen und zu backen. Wir achten auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung. Und natürlich stehen immer wieder Pommes und Co auf dem Speiseplan. Gehört Eis zum Sommer und Kekse zum Winter. Natürlich gehört Popcorn zum Film und Chips auf die Party. Und ja: ich habe einen süßen Zahn. Und einen für Mettwürstchen…

Unsere Kinder dürfen Süßes essen. Jeden Tag. Süßes ist bei uns weder Belohnung noch etwas Besonderes. Einzige Bedienung: sie müssen FRAGEN, wenn sie etwas wollen und ein NEIN akzeptieren, wenn wir es auf Grund von Uhrzeit oder Menge einschränken. Und ganz ehrlich: damit fahren wir sehr gute denn Süßes hat absolut keinen Reiz für die Kinder. Und zwar: NULL.

Ich bin Arztfrau und ich weiß, dass es ganz einfach absolut notwendig ist körperlich im Gleich-Gewicht zu sein. Nicht nur, dass man sich leichter und besser fühlt. Man ist auch wesentlich belastbarer, mobiler. Und vor allem: gesünder. Und daran gibt es nichts zu drehen oder zu beschönigen. Viele Krankheiten sind auf Über-Gewicht zurückzuführen. Und wenn du im Über-Gewicht bist, dann bist du eben nicht im Gleich-Gewicht. Und wenn du im Unter-Gewicht bist, ebenso wenig. Beides ist nicht gesund. Auch wenn du dich wohl in deiner Haut fühlst, was wunderbar ist. Aber gesund ist das auf Dauer für deinen Körper nicht. Weder zu wenig, noch zu viel. So ist das ja immer, dass „der goldene Mittelweg“ meistens was für sich hat.

Ich für mich

Und hierbei ist es absolut notwendig und wichtig: aufrichtig zu sich selbst zu sein. Für mich war klar: ich will meinen Körper wieder mehr lieben. Ich will mich wohl in meiner Haut fühlen. Einzig und allein in meiner. Ich will wieder ins Gleichgewicht kommen. Ich mache das nur für mich.

Wir haben nur dieses eine Leben. Wir wissen nicht, wieviel Zeit uns geschenkt ist. Aber eines ist ganz sicher: es ist endlich. Und ich möchte gerne so gut wie möglich zu meinem Körper sein. Ich will ihn ehren. Pflegen. Das Leben in vollen Zügen genießen. Und das bedeutet auch, dass ich Verantwortung dafür übernehmen, so gesund wie möglich bleibe. Mehr kann ich nicht tun.

Ich will mich und mein Leben umarmen. Ich will mich annehmen und lieben. So wie ich bin. Und ich will dafür sorgen, dass ich im Gleichgewicht bin. Und mit Leib und Seele. Ich will wie ein Mobile sein. Gut ausgependelt. Gut eingependelt.

Und DAS wünsche ich dir auch!

WAS möchtest du verändern, damit DU wieder ins Gleichgewicht kommst? Nicht für die Anderen.  Nicht für ein Ideal.

Sondern einzig und allein: FÜR DICH SELBST!

Sei dir gut ❤

Deine Natalia

7 Kommentare

  1. Susanne

    10. Juni 2017 at 9:41

    Im Gleich-Gewicht sein… Eine wunderschöne Formulierung. Ich habe seit über 30 Jahren mit Menschen zu tun, die Abnehmen möchten. In meiner Beratung geht es dann auch um die Neben-Baustellen. Viele sind sich garnicht bewusst, warum sie essen,wissen nicht, was sie gegessen haben, weil sie eben auch inhalieren oder immer wieder snacken. Essen steht nicht mehr im Mittelpunkt. Essen läuft nebenbei. Diesen Beitrag werde ich im Hinterkopf behalten und Klienten darauf verweisen, wenn ich das Gefühl habe, dass sie gerade mal pendeln.

    1. Natalia

      10. Juni 2017 at 10:00

      Vielen Dank für diese Rückmeldung. Darauf freue ich mich. Und Sie beschreiben genau etwas, worum es mir geht: die Neben-Baustellen. Ihnen alles Gute für Ihre ganz und gar wichtige und wertvolle Arbeit!

  2. Katja

    10. Juni 2017 at 14:44

    Hach! Wie wahr! Und wie treffend und hilfreich!
    Kann ich eigentlich unter all deine Einträge schreiben!
    Und DANKE!
    Du bist gut für mich!

    1. Natalia

      10. Juni 2017 at 15:03

      Oh, wie schön, dass es hilfreich ist! DAS ist das schönste Kompliment. Danke dir! Und natürlich freue ich mich von Herzen über deine lieben Worte. Danke!

  3. Verena Küsters

    10. Juni 2017 at 22:11

    Im Gleichgewicht zu sein, innerlich und äußerlich mit sich im Einklang und mit sich zufrieden zu sein. Eine dauerhafte Aufgabe. Ein ewiges hin und her. Mir kommt es immer vor wie ein Pendel. Sich auszupendeln scheint mir oft schier unmöglich zu sein. Wenn ich dann deine Beiträge lese fällt es mir weniger schwer mich so anzunehmen, wie ich bin. Nicht vollkommen aber immer auf dem Weg zu mir selbst. Du tust mir so gut! Danke, dass du deine Gedanken und Erfahrungen mit uns teilst.

  4. Mandy

    1. Mai 2018 at 7:57

    Schöne Beschreibing vom Gleichgewicht und doch habe ich mich ertappt, beim Vergleichen. Beim Nachdenken und Abgleichen von ja ich will mich auch belohnen, ja ich übertünche auch etwas mit Essen, aber eben Nein ich bin gefühlt nicht diszipliniert, schaffe ich auch 2 Wochen ? …..monkey mind eben…Und dennoch ist eben das Schöne an besonderen Blog Posts, dass etwas (zum Nachdenken) bleibt, Annehmen ermöglicht und Lust oder besser erstmal Bereitschaft weckt zu hinterfragen. Danke für die Offenheit. Liebe Grüße Mandy

    1. Natalia

      9. Mai 2018 at 12:25

      Liebe Mandy. DANKE für deine Offenheit und Worte. Es freut mich immer, wenn etwas in Bewegung kommt. Egal wie und wo.

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